Spielend die Zukunft gestalten

Die Veranstaltung der Umweltringvorlesung “Über Leben im Zukunfts(t)raum Stadt” begann diese Woche mit einem Spiel mit der Ausgangsfrage “Wie kann unser Hörsaal verbessert werden?”. Zu Beginn bildeten die Anwesenden Zweier-Teams und tauschten sich über ihre Gefühle zum Raum aus- was gefällt, was ist schlecht und wie können die schlechten Dinge geändert werden? Schließlich sollten beide Gruppenmitglieder zu einem Konsens darüber kommen, was sie gern am Raum verändern möchten, um ihn besser zu machen. Dieser Prozess wurde in Gruppen zu viert und zu acht wiederholt. Schließlich sollten die im Konsens erarbeiteten Maßnahmen tatsächlich umgesetzt und abschließend präsentiert werden. Im Fall von Raum 403 im HSZ boten beispielsweise die nackte Betonwand auf der einen Seite des Raumes, die Bestuhlung oder das Fehlen von Grünpflanzen Gestaltungspotenzial. Natürlich konnten keine tatsächlichen baulichen Veränderungen vorgenommen werden und so wurden die Ideen mit Grünpflanzen und viel Kreide verdeutlicht (siehe Titelbild und Galerie am Artikelende). So entstanden rückenfreundliche Stühle zum drehen, mehr Fenster, Wandbilder, Raumbegrünung und ein Balkon.

Referentin Silvia Hable beschreibt den Prozess des Oasis Games, vom Traum zum Wunder.

Der Name des Spiels lautet Oasis Game. Erfunden wurde es vor 15 Jahren vom Intituto ELOS in Brasilien und nimmt die Metapher einer Oase in der Wüste auf. Überall auf der Welt gibt es Orte, die zu kleinen Oasen umgestaltet werden können, und zwar durch die Menschen, die dort leben. Und überall auf der Welt wird das Oasis Game inzwischen gespielt. Auch in Deutschland organisiert der Verein Ideen³ erfolgreich Prozesse zur Gestaltung kleiner Oasen.

Der grobe Spielablauf eines Oasis Games.

Nach Beendigung der Kurzversion des eigentlichen Spiels im Hörsaal stellte unsere Referentin Silvia Hable, welche als Bildungsreferentin für nachhaltige Stadtentwicklung und Beteiligungskultur bei Ideen³ tätig ist, das Spiel in seinem ganzen Ausmaß vor. Es soll Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit geben, ihren Lebensraum selbstständig und aktiv nach ihren Wünschen zu gestalten. Dabei lernen sie andere Menschen kennen und wertschätzen. Auf diese Weite stärkt das Oasis Game die Gemeinschaft und Nachbarschaft. Es dauert circa 7 bis 10 Tage, wobei sich die Spieltage auch über mehrere Wochen strecken können.  Jeder Tag stellt eine andere der sieben Spielphase da: Wahrnehmen, Begegnen mit dem Herzen, Träumen, Den Traum pflegen, Wunder, Feiern/ Wertschätzen, Größer träumen. Alle Teilnehmenden bekommen unterschiedliche Rollen, die sie auch tauschen können, sodass jede*r optimal integriert wird. Zum Einsatz kommen verschiedenste kreative Methoden wie World Café, Design Thinking, Musik und Kreistänze oder Traumkreise. Am Ende jedes Spiels steht ein Wunder- die neu geschaffene Oase, welche gefeiert wird. Die Einsatzszenarios des Spiels sind weit gefächert. Es kann als Katasrophenhilfe genutzt werden, bietet sich zur Leadership- und Persönlichkeitsentwicklung an, kommt aber auch bei der Stadt- und Gemeindeentwicklung, an Schulen und Universiäten zum Einsatz.

Das kurze Anteastern des Oasis Games im Hörsaal hat Lust auf mehr gemacht. Sicher können auch an der TU Dresden gemeinschaftlich Oasen gefunden werden!

Bock auf Mitmachen? Das nächste Oasis Game organisiert Ideen³ im Juli in Freiburg. Es werden noch Mitspieler*innen gesucht!
Bock auf Selbstmachen? Hier findet ihr eine Anleitung, um eurer eigenes Oasis Game auf die Beine zu stellen.

Eindrücke aus dem Oasis Game zur Umgestaltung des Hörsaals HSZ 403:

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Bilder und Text: Theresa Zakrzewski

Regiert Geld die Welt? Ein geldfreieres Leben ist möglich!

Frei sein. Frei zu tun und zu lassen was man will, zu gehen wohin man will, wie ein Vogel. Frei von allen Zwängen. Wer möchte das nicht? Doch wie schafft man sich ein freies, selbstbestimmtes Leben, das alle Möglichkeiten bereit hält?
Tobi Rosswog, Initiator des Projekt- und Aktionsnetzwerkes living utopia, hat davon eine genaue Vorstellung. Zwei Jahre lang hat er geldfrei gelebt und gibt sein Wissen und seine Erfahrungen seitdem an Unternehmen, Vereine und alle Interessierten weiter. Am 18. Juni war er als Referent unserer Umweltringvorlesung zu Gast in Dresden und gab den Studierenden eine Einführung zum Thema „Geldfreieres Leben. Wege in ein neues Miteinander“.
Nach Tobias Meinung haben wir alle die Möglichkeit, etwas weniger auf das Zahlungsmittel Geld angewiesen zu sein und dadurch freier zu werden. Dafür müssen wir die Grundgedanken unserer Gesellschaft überdenken. Denn geldfreier zu leben bedeutet beispielsweise auch, nicht mehr nach Stundenlohn arbeiten zu gehen, sondern das Arbeitspensum daran anzupassen, was jede*r Einzelne leisten will und kann.

Referent Tobias Rosswog im Gespräch mit den Teilnehmenden der Umweltringvorlesung

Geld durchzieht unser gesamtes Leben- mit Geld zahlen wir unsere Miete, kaufen wir unsere Lebensmittel und genießen wir Kultur. Ohne Geld keine neuen Kleidungsstücke, keine Fahrt mit dem Bus und kein Internet auf dem Handy. Spätestens seit der Entwicklung des Kapitalismus im Italien des 14. Jahrhunderts ist es zu einem essentiellen Bestandteil der meisten Gesellschaften auf diesem Planeten aufgestiegen, unterwirft uns seinen Zwängen, schenkt uns aber auch Freiheit.
Wer viel Geld besitzt hat ein unbesorgtes Leben und ihr oder ihm steht alles offen, oder? Das ist leider nur eine scheinbare Freiheit. Denn aus dem Privileg des Geldbesitzes wächst Verantwortung. Mit starker Finanzkraft kann in dieser Welt viel bewegt werden- zum Guten und Schlechten. Nur leider kommen die allermeisten wohlhabenden Menschen dieser Forderung nicht nach. Das meiste Geld fließt noch immer in Wirtschaftswachstum und dieses hat oft sehr umweltschädliche Gründe, z.B. Kriege und hohen und unreflektierten Konsum.

Wie extrem sich die Verhältnisse zwischen Besitz und Nicht-Besitz gestalten, demonstriert Tobi an diesem Beispiel: Die acht reichsten Männer der Welt besitzen so viel Geld wie 3,5 Milliarden Menschen. Das entspricht der Hälft der Erdbevölkerung. Die Ursache hierfür und das Hauptproblem des Geldes sieht unser Referent in der im Geld implementierten Tauschlogik: eine Leistung fordert immer eine gleichwertige Gegenleistung. Wer diese nicht erbringen kann, wird vom System ausgeschlossen. Und so verursacht das Geldsystem nicht nur eine ökologische, sondern auch eine soziale Krise.

Eine Empfehlung von Tobias Rosswog für alle, die sich mal aus einem anderen Blickwinkel mit Arbeit auseinandernsetzen wollen: das Buch “After Work. Radikale Ideen für eine Gesellschaft jenseits der Arbeit.”

Einen Ansatz um diese Krisen zu überwinden beschreibt Friederike Habermann in ihrem Buch “Ecommony”. Grundlegend hierfür ist, weniger Eigentum und mehr Besitz zu schaffen. Eigentum bezeichnet die rechtliche Beziehung zu etwas. Besitz hingegen beschreibt die soziale Beziehung. Wenn ich einen Stuhl besitze, kann ich auf ihm sitzen. Gehe ich weg kann jemand anderes kommen, den Stuhl benutzen und ihn so besitzen. Als Eigentümer/in des Stuhls kann man über den Stuhl bestimmen, verbieten darauf zu sitzen oder es nur gegen Gebühr erlauben. Mehr Besitz bedeutet also gemeinsame Güter- Commons, für die niemand bezahlen muss, weil sie allen gehören. Auf diese Weise herrscht mehr soziale Gerechtigkeit durch den gleichwertigen Zugang zu Ressourcen und Konsumgüter müssen seltener hergestellt werden, weil mehre Gruppen sich deren Nutzung teilen. Über sinnvolle Kommunikation können zusätzlich Arrangements geschlossen werden um, wenn nötig, längerfristigen Besitz zu regeln. Also überlegt beim nächsten Mal zweimal, ob ihr euch die Bohrmaschine, die ihr für 3 Löcher im Jahr braucht, wirklich selbst kauft. Sicher teilt auch gern jemand aus der Nachbarschaft die ihre/seine mit euch.

Noch zwei Mal habt ihr die Gelegenheit, euch zu interessanten Themen der Wirtschaftsethik und Wirtschaftsalternativen zu informieren. Wenn ihr Lust habt, schaut hier vorbei:
URV Kapital is muss!? Wirtschaftsethik und -alternativen
Mittwochs, 16:40-18:10 Uhr
POT 112

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Bild und Text: Theresa Zakrzewski

Alternatives Wirtschaften

Am 29. Mai fand die Umweltringvorlesung Kapital is muss!? Wirtschaftsethik und –alternativen nicht als klassische Vorlesung sondern als Café statt. Bei einem solchen Café präsentieren sich verschiedene Gesprächspartner*innen an Tischen zwischen denen die Anwesenden in einem bestimmten Zeitrythmus wechseln und so alle miteinander ins Gespräch kommen. In diesem Fall konnten sie sich in gemütlicher Atmosphäre mit Vertreter*innen unterschiedlicher Initiativen unterhalten, die Wirtschaft neu denken- nachhaltiger, sozialer, zukunftsfähig.

An zwei Tischen präsentierten sich Dresdner Solidarische Landwirtschaften (SoLaWis). Bei diesem Konzept unterstützt man ein Jahr lang finanziell eine Bäuerin oder einen Bauern aus der Region und erhält im Gegenzug einmal die Woche eine Kiste mit saisonalen Lebensmitteln vom Hof, die man in Depots abholen kann. Solidarität entsteht so nicht nur mit den Landwirt*innen, sondern auch mit den Verbraucher*innen- je nach Lebenssituation kann ein individueller Beitrag gewählt werden, wodurch z.B. auch Studierende problemlos an dieser Art der regionalen und nachhaltigen Landwirtschaft teilhaben können. Das Prinzip des solidarischen Landwirtschaftens zwischen Verbraucher*innen und Landwirt*innen haben wir ausführlich in diesem Artikel behandelt.

Ebenfalls vertreten war die regionale Währung Elbtaler. Mit dieser soll der Wertschöpfungskreislauf von Geldausgaben für Produktion und Verkauf in der Region gehalten werden. Transportwege beispielsweise bleiben kurz und lokale Kleinunternehmen mit ihren Produkten und Dienstleistungen werden unterstützt. Wenn man den Elbtaler innerhalb einer bestimmten Frist nicht ausgibt, verfällt sein Wert. Auf diese Weise soll das Geld immer im Umlauf bleiben und nicht gehortet werden, sodass neues Geld gedruckt werden muss. Perspektivisch soll der Elbtaler den Euro als regionales Zahlungsmittel ergänzen. Ziel ist die Etablierung regionaler Währungen überall in Deutschland. In Dresden beteiligen sich am Elbtaler z.B. bereits Bäckereien, Handwerksbetriebe und ein Energieanbieter.

Circa 20 Teilnehmende informierten sich beim Café über Ansätze zu nachhaltigem Wirtschaften in Dresden.

Die Gemeinwohlökonomie Dresden hat ein alternatives, nicht finanzbasiertes Konzept zur Bilanzierung vom Unternehmen entworfen. Mithilfe einer fortlaufend weiterentwickelten Matrix können sich Unternehmen bewerten lassen und anhand der erreichten Punktzahl sehen, wie sehr sie zum Gemeinwohl beitragen. Null Punkte stehen dabei für den gesetzlichen Standard. Auch Werte unter Null sind also möglich. Möchte sich ein Unternehmen die eigene Gemeinnützigkeit zertifizieren lassen kann das die Gemeinwohlökonomie Dresden durch ausgebildete Berater*innen und Zertifizier*innen übernehmen.

Schließlich gehörte auch eine Gruppe der TU Dresden zu den anwesenden Initiativen, die Hochschulgruppe “Netzwerk Plurale Ökonomie“. Die Hochschulgruppe übt Kritik an der Beschränkung der Lehre an der TUD im Bereich Volkswirtschaftslehre (VWL) auf die sogenannte Neoklassik. Diese Strömung hat sich im 20. Jahrhundert durchgesetzt, weil sie die Wirtschaftslehre stark mathematisiert und wie eine Naturwissenschaft betrachtet. Auf diese Weise lassen sich mit den neoklassischen Modellen Annahmen über menschliches Verhalten auf dem Markt (Konsument*innen und Produzent*innen) treffen und daraus Formeln darüber aufstellen, wie unsere Wirtschaft funktioniert. Allerdings entsprechen diese Annahmen nicht der Realität. Beispielsweise ist die Betrachtung des Menschen als „homo oeconomicus“ (Kaufentscheidungen werden immer nach dem niedrigsten Preis getroffen) zu vereinfacht gedacht, Preis und Qualität korrelieren, wie in der Neoklassik angenommen, keinesfalls immer und insgesamt lassen sich die zweidimensionalen Berechnungen nur schwer auf die reale Welt übertragen, da viele wichtige Faktoren, wie beispielsweise der Mensch selbst, ausgeklammert werden. Die Hochschulgruppe versucht, bei den Studierenden der VWL ein Bewusstsein für die Beschränktheit der momentanen Lehre und ihre Nachteile zu schaffen und alternative Betrachtungsweisen der Wirtschaft an unserer Universität zu fördern und etablieren.

Ihr interessiert euch für Wirtschaft, studiert vielleicht in dieser Richtung oder wollt einfach so mehr darüber erfahren, wie man Wirtschaft und Nachhaltigkeit miteinander verbinden kann? Dann kommt zu den nächsten Terminen der Umweltringvorlesung:
immer Mittwochs, 16:40 bis 18:10 im POT 112

Hier geht’s zum vollständigen Programm der Umweltringvorlesung

Bits&Bäume – Warum sich die Hacking- und die Ökobewegung stärker vernetzen sollten

Vermutlich gibt es derzeit so viele Subkulturen, wie nie zuvor: Fans und Aktive diverser Sportvereine und Sportarten, Musikfans, Auto-Tuner/innen, die LARP- und Mittelalter-Szene, Briefmarkensammler/innen, Hobbygärtner/innen, Religiöse Menschen, Partypeople, usw. Natürlich können sich die Gruppen auch beliebig überschneiden und sind in sich auch nicht homogen. Zwei dieser Subkulturen können mit “Hacker/innen- und Nachhaltigkeitsbewegung” einigermaßen umschrieben werden.

Beide befassen sich mit den beiden existenziellen Herausforderungen unserer Zeit: die einen mit der Digitalisierung und all ihren potentiellen gesellschaftlichen Verwerfungen, die anderen mit Nachhaltigkeit, also mit der Frage wie Zivilisation langfristig lebenswert und kompatibel mit den Naturgesetzen gestaltet werden kann.

Beide Communities haben jeweils spezielle Probleme erkannt und schlagen spezielle Lösungsansätze vor. Beide Gruppen leiden darunter, dass sie aus ihrer jeweils eigenen Blase nur sehr schwer rauskommen, was das Erzielen von Aufmerksamkeit für Probleme und vor allem für Lösungsansätze angeht. Beide haben in der Vergangenheit spezifische Erfahrungen gesammelt, Kompetenzen aufgebaut, Netzwerke geknüpft. Darum liegt es nahe, die beiden bisher weitgehend isolierten Blasen in Austausch zu bringen. Dieser Aufmerksamkeitsschub könnte auf beiden Seiten Frustration abbauen und Motivation erzeugen. Dabei können und müssen beide Communities viel über ihre Kommunikation lernen. Z.B.: “Wie kann man den FridaysForFuture-Schüler/innen erklären, dass WhatsApp und Instagram keine solide Basis für eine Nachhaltigkeitsbewegung darstellen?”, und “Wie schafft man unter den Teilnehmenden der GulaschProgrammierNacht ein Bewusstsein für die mit Fleischkonsum einhergehenden Probleme?”.

Diese kommunikativen Lernprozesse sind anstrengend, aber sie bieten das Potential, die Reichweite in den Rest der Gesellschaft zu vergrößern. Der erste absehbare Schritt dafür ist es, die wahrgenommenen Probleme so zu erklären, dass sie auch außerhalb der eigenen Blase nicht nur oberflächlich zur Kenntnis genommen (“Jährlich ein neues Smartphone zu kaufen, ist ökologisch nicht so cool.”) sondern in ihrer vollen Tragweite erkannt werden (“Die aktuelle Produktions- und Nutzungsweise von Elektronikgeräten wandelt unter teils unwürdigen und gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen mit enormem Energieaufwand wertvolle Rohstoffe in giftigen Abfall um – bei gleichgültiger Inkaufnahme blutiger Konflikten und massiver Umweltschäden.”).

Die Konferenz “Bits&Bäume 2018” hat einen sehr wichtigen Beitrag zu dieser notwendigen Vernetzung geleistet. Jetzt kommt es auf die Communities an, diesen Faden aufzunehmen und weiterzuspinnen statt ihn im Alltagsrauschen abreißen zu lassen. Die Organisator/innen der Konferenz rufen dazu auf, eigene lokale Veranstaltungen zum Themenkomplex Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu organisieren, die Sensibilisierung und den Vernetzungsgedanken in die Fläche zu tragen.

Die erste solche Veranstaltung – die Bits&Bäume Dresden – wird im Rahmen der Festwoche “30 Jahre TU-Umweltinitiative am 23.05. an der TU Dresden stattfinden, organisiert von vier Bits-und-Bäume-Teilnehmer/innen, u.a. unter Mitwirkung der Hochschulgruppe für Freie Software und Freies Wissen. Neben einem spannenden Vortrag und Diskussionsmöglichkeiten an verschiedenen Thementischen wird es reichlich Gelegenheit zur Vernetzung geben. Möge das der Auftakt zu vielen Bits&Bäume-Seitentrieben sein und damit ein Schritt auf dem Weg, die Digitalisierung vom Teil des Nachhaltigkeis-Problems zum Teil der Lösung zu machen.

Text: Carsten (B&B-DD-Orgateam, http://dresden.bits-und-baeume.org/)

30 Jahre Umweltschutz von Dresdner Studierenden

Programm der Festwoche? Hier entlang!

Die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern, die Falken haben die Plakate entdeckt und selbst der letzte unausgeschlafene Siebenschläfer hat das erste Gemurmel vernommen:

Die Tuuwi wird 30!

Kaum zu glauben, das, was sich als unscheinbare lose Verbindung einzelner Studierender in den späten 80ern gründete, ist heute immer noch da. Aber was ist dieses Ding eigentlich, die Tuuwi? Diese Frage ist die schwierigste, wenn wir Neuzugänge bei unseren Plena haben und am Ende die Frage gestellt wird, wer wir eigentlich sein…

Ganz trocken könnte man antworten: Wir sind eine AG des StuRa, vertreten Interessen der Studierendenschaft in Umweltangelegenheiten, beginnend bei Umweltschutz endend bei Umweltbildung und machen dazwischen ganz viel mehr, sind eigentlich doch ziemlich losgelöst von StuRa-Aktivitäten und Verpflichtungen. Müssen aber dennoch jedes Jahr einen Bericht gegenüber der Kommission Umwelt und damit dem Rektorat ablegen und so weiter und so weiter. Am Ende wirkt diese Definition unzureichend und ziemlich unübersichtlich.

Ein wichtiger Teil der Tuuwi und Ort des Workshops “Verwendung von Duft-, Färbe- und Textilpflanzen” in der Festwoche: unser Garten mit den Hochbeeten

Ein weiterer Versuch ist dann zunächst, über unsere Mitglieder einen Erklärungsversuch zu starten: „Wir sind eine lose Verbindung von Menschen, die keine feste Agenda verfolgen und teilweise sehr unabhängig voneinander agieren. Wir schicken niemanden weg, haben Studierende, Mitarbeiter der TUD und auch Externe in unseren Reihen – dabei dient die Tuuwi eher als Plattform um coole Projekte oder Arbeitsgruppen zu gründen.“

Aha! Ihr macht also Projekte und habt Arbeitsgruppen. Was machen die denn so? Wir machen ganz viel! Angefangen bei Umweltbildung mittels Umweltringvorlesungen (URV) und Umweltfilmabenden, über Diskussionsrunden bis zu politischen Aktionen wie der Kohlekubus… [dem geneigten Blogleser sei an dieser Stelle die stundenlange Erklärung erspart und stattdessen auf die Internetseite verwiesen ;-)].

Und während der fiktive Tuuwi gerade so am Erklären ist, fällt auf, dass wir viele dieser Dinge schon immer machen. Laut unserer Chronik startete die erste URV in den frühen 90ern. 1992 ga es die erste Fahrradaktion am dies academicus, die Forderung an eine umweltbewusste Mensa mit mehr Glas und weniger Plastikflaschen, weniger Fleischgerichten und mehr Abwechslung und die Forderung nach mehr Bio-Lebensmitteln folgte um die Jahrtausendwende herum.

Die Einweihnung unseres Kohlekubus zur Demonstration der Luftverschmutzung durch den Strom den die Universität bezieht

Das ist die Tuuwi! Gelebter Umweltschutz, nicht einseitig, sondern gespickt durch kritisches Fragen, gestützt durch Bildung und verkündet durch lustigen Aktionen. Apropos lustige Aktionen – die Spatzen pfeifen nicht grundlos von den Dächern, denn sie haben schon das Festprogramm gelesen und wissen was in der Woche vom 20.-26. Mai auf sie zu kommt:

  • Interaktive Workshops
  • Filmabende
  • Konzerte
  • Vorträge
  • Eine Pflanzentauschbörse
  • Und vieles mehr!

Ihr wollt wissen, was die Spatzen noch alles pfeiffen? Dann schaut auf der Seite unserer Festwoche vorbei: 30 Jahre tuuwi-Festwoche

Text: Tom Stieler

Was geht am Zelleschen Weg?!

Unter diesem Titel lud der Studentenrat Dresden am Montag, den 06. Mai, zur Podiumsdiskussion auf dem Campus der TU Dresden ein. Eingeladen waren Johannes Lichdi vom Bündnis 90/ Die Grünen, Gunther Thiele von der CDU, Prof. Udo Becker vom Lehrstuhl für Verkehrsökologie der TU Dresden, Frau Prof. Irene Lohaus vom Institut für Landschaftsarchitektur der TU Dresden und David Färber vom Referat Mobilität des Studentenrates Dresden. Die Moderation erfolgte durch Eric Hattke, Geschäftsführer der Sächsischen Bibliotheksgesellschaft.
Der Einladung folgten circa 400 Menschen, in erster Linie die direkt betroffenen Studierenden der Universität.

Zu Beginn wurden die bisherigen Ereignisse und Planungen rund um den Zelleschen Weg dargestellt. So ist der Zellesche Weg Teil des Stadt-Projektes Stadtbahn 2020 und soll mit einer eigenen Straßenbahnlinie versehen werden, die perpektivisch die bisherige Buslinie 61 auf dem Campus ablöst. Zur Debatte steht, ob die gleichzeitige Neuplanung der Straße zu einer Verbreiterung der Fahrspuren und Verkleinerung der Radwege (Vorzugsvariante von CDU und FDP) führt oder zur Verkleinerung der Fahrspuren und Vergrößerung der Radwege (Vorzugsvariante von LINKE, Bündnis 90/ Die Grünen und SPD). Beide Positionen werden durch zwei verschiedene Statistiken über den prognostizierten Verkehr auf der Straße in den kommenden Jahren gestützt. Eine Prognose weißt auf ein erhötes Verkehrsaufkommen, die andere auf ein verringertes hin. Fakt ist jedoch, wie Prof. Becker erklärt: Die Bautätigkeiten selbst bestimmen letztlich, wie attraktiv die Strecke für welches Verkehrsmittel wird. Wir können die Prognose also selbst gestalten.

Visualisierung des Projektes 1 der Stadtbahn Dresden 2020: Der Zellesche Weg (Foto: DVB AG)

Und eins ist klar: Für eine klimafreundliche Zukunft und die Minimierung des Klimawandels gibt es nur eine Lösung: Der Autoverkehr muss langfristig reduziert werden. Auch für Prof. Lohaus, welche maßgeblich am sogenannten Masterplan zur zukünftigen Gestaltung des Campus der TU Dresden beteiligt ist, gibt es keine Alternative. Denn der Campus soll für Studierende und Mitarbeitende nutzbarer werden. Der Zellesche Weg bildet hier eine wichtige Achse.

Das Publikum diskutierte angeregt mit und viele offene Fragen konnten beantwortet werden. Am Ende des Abends kannten alle Anwesenden die Argumente der verschiedenen Seiten und können nun selbst entscheiden, welcher Variante sie den Vorzug geben. Das wichtigeste dabei ist, wie Prof. Becker mehrmals betonte: Die Entscheidung über den Verbleib des Zelleschen Weges fällt nicht in der Podiumsdiskussion, sondern maßgeblich bei der Kommunalwahl am 26. Mai.

Text und Bild: Theresa Zakrzewski