Für viele Menschen hat heute der Konsum von palmölhaltigen Produkten einen bitteren Beigeschmack. Palmöl gilt neben Soja als DER Regenwaldkiller schlechthin und die Liste der Probleme im konventionellen Anbau ist lang: Tropische Biotope müssen Monokulturen weichen, Tiere werden ihres Lebensraumes beraubt, Menschen arbeiten unter prekären Verhältnissen und ihre Rechte werden regelmäßig missachtet.  Doch wer trägt dafür letztendlich die Verantwortung und was kann ich als Einzelperson mit meinem (Konsum-)Verhalten dagegen tun? 

Einige Fakten

  • jährlich werden weltweit ca. 75 Mio. t Palmöl auf einer 0,7x Deutschland entsprechenden Fläche erzeugt und später verarbeitet – Tendenz seit Jahren steigend [1]
  • in Deutschland wird Palmöl vorrangig für Fertigprodukte und Speisefett (22%) sowie für Biokraftstoffe (52%) benötigt [2, 3]
  • in ca. 50 % aller Supermarktprodukte in Deutschland angebotenen Produkte ist Palmöl enthalten [4]

Was tun? 

Generell betrachtet gibt es drei Taktiken gegen die Problematik des konventionellen Palmöls

  • (A) Beim Kauf auf entsprechende Siegel und Zertifizierungen zu achten, 
  • (B) Palmöl durch die Verwendung anderer Öle zu substituieren und
  • (C) generell auf ölhaltige Produkte zu verzichten. 

Diese Taktiken werden wir uns in den folgenden drei Abschnitten genauer ansehen. 

(A) Siegel für den Anbau

Das wohl bekannteste ist das 2004 vom WWF ins Leben gerufene Siegel des Roundtable on Suistainable Palm Oil (RSPO). Es zertifiziert nach eigenen Angaben unter nachhaltigeren Bedingungen angebautes und verarbeitetes Palmöl. 

Weltweit werden ca. 19 % des Palmöls unter dem Siegel des RSPOs verkauft [5]. Besonderen Fokus legt der RSPO augenscheinlich auf die Transparenz seiner Mitglieder und der einzelnen Schritte entlang der Wertschöpfungskette. Jedoch wird gerade hier Kritik laut: Greenpeace [6] stellte in einer Nachforschung fest, dass festgelegte Kriterien [7] nicht weitreichend genug sind und auf Verstöße gegen jene Kriterien keine Sanktionen folgen. Erst seit der neuesten Auflage der principles and criteria (dem “Handbuch” für die Mitglieder) ist es untersagt, besonders schützenswerten Regenwald zu roden und für neue Palmplantagen urbar zu machen. Weiterhin wird vermehrt Kritik an der damit einhergenden Trockenlegung von Sümpfen geübt, wobei mehr CO2 freigesetzt wird, als eine Monokultur je wieder binden könnte. Ausgehend davon, dass Verbraucher*innen bedenkenlos und unter der Annahme dadurch nichts falsch zu machen zu Produkten mit RSPO-Siegel greifen, kann die Zertifizierung als Irreführung betrachtet werden. 

Eine bessere Alternative bieten Produkte mit bio-zertifizierten Palmöl. Für Bio-Palmöl dürfen keine synthetischen Dünger und Pestizide eingesetzt werden, die das Wasser und die Böden belasten. Gedüngt wird auf Bio-Plantagen mit Kompost und natürlichen Mineralien. Der Boden ist permanent bewachsen – so wird er vor Erosion geschützt und seine Fruchtbarkeit erhalten. Schädlinge werden mit natürlichen Mitteln wie durch den Einsatz von Nützlingen bekämpft. Auch wenn sie keine Vorgaben zu Sozialstandards – (Bio muss nicht zwingend auch fair sein!) machen, erfüllen derzeit alle bekannten Bio-Palmöl-Unternehmen auch ethische Kriterien zum fairen Umgang mit den Menschen vor Ort.  Bemerkenswert: Während 80 % der Plantagen für konventionelles Palmöl in Südostasien liegen, sind der Großteil der Bio-Palmöl-Plantagen in Südamerika und Westafrika lokalisiert. Eine umfangreiche Recherche mit Hintergründen zum biologischen Anbau von Palmöl und Infos zu den produzierenden Unternehmen findest du in diesem sehr empfehlenswerten UTOPIA-Artikel [8]. 

(B) Palmöl substituieren

Ist der Boykott von Palmöl und die alternative Verwendung von regionalen Ölen wie z. B. Sonnenblumenöl ein guter Lösungsansatz? Ganz so einfach ist es wie so oft leider nicht. Eine 1:1-Substitution von Palmöl durch z.B. heimische Öle ist nicht möglich. Der Grund: Die Palmölpflanze weist einen viel höheren Ertrag als andere Pflanzen auf, aus denen Öl gewonnen wird. Der Ertrag der Ölpalme liegt bei durchschnittlich 3,3 t/ha, wohingegen der aus Sonnenblumen nur bei knapp 0,7 t/ha liegt [9]. Rein flächenmäßig wird hier deutlich, dass diese Substitution kaum realisierbar ist.

Um zu verdeutlichen, was das bedeutet, eine Rechnung: In Deutschland wurde 2016 51,1% der Fläche landwirtschaftlich genutzt, was 16,7 Mio. ha entspricht. Davon sind 70,6%, also 11,79 Mio. ha, Ackerland [10]. 2017 wurden in Deutschland unter Berücksichtigung von Im- und Exporten 1,427 Mio. t Palmöl verbraucht [11]. Wöllten wir diese Menge zukünftig in Deutschland durch Raps-/Sonnenblumenöl erzeugen, müssten wir 17,3%, also über 2 Mio. ha, unserer Ackerfläche für deren Anbau hergeben. Zum Vergleich: Aktuell bauen wir auf 857.000 ha [12] gelben Raps, auf 22.000 ha [13] Sonnenblumen und auf 3,1 Mio. ha. [14] Weizen an. Damit könnte der Kalorienbedarf von 33 Mio. (!) Menschen auf der in Deutschland nur für Palmöläquivalente benötigten Fläche gedeckt werden.* Der WWF äußert sich in seinem 2016 erschienenen Report folgendermaßen zur Substitution: 

„Insbesondere ein unkritischer Austausch von Palmöl durch andere Pflanzenöle löst die Probleme nicht, sondern verlagert und verschlimmert sie nur.“

Auch sei gesagt, dass es herzlich wenig Sinn ergibt, von veganer Bio-Nougatcreme mit Palmöl auf eine mit konventionellem Kokosöl umzusteigen. Das ist in Bezug auf die Flächenutzung auf einer Ebene mit Sonnenblumenöl, wird unter ökologisch und sozial bedenklichen Bedingungen angebaut und muss erst über tausende Kilometer hinweg zu uns gebracht werden. Kostet der Spaß dann auch noch das Dreifache, sprechen wir von klassischem Greenwashing. Dazu können wir dir übrigens sehr den Film Die grüne Lüge ans Herz legen, in dem es um Greenwashing u. a. mit Palmöl geht.

(C) Effektive Vermeidung

Natürlich ist es wichtig, auf Palmöl in Lebensmitteln (vorrangig in sogenannten Convenienceprodukten) und Kosmetik zu verzichten. Deren Anteil ist mit 22% und 2,69% jedoch im Vergleich zur anteiligen Nutzung in Biokraftstoffen mit 52% deutlich geringer. So gesehen ist nicht oder zumindest weniger Auto fahren die effektivste Möglichkeit des Palmölverzichts. Zumindest ein Problem, das E-Autos nicht haben. Und wenn es dennoch mal weder Zug noch Rad noch ÖPNV tun, sind Fahrgemeinschaften, sparsame und kleine Autos sowie Carsharing in allen Variationen umweltfreundlichere Optionen. Im Gegensatz zur energetischen Palmölverwertung in der EU ist die weltweite (Verwertung) mit unter 5% deutlich niedriger [15]. 

Und nun? – ein Fazit

Fakt ist, dass Palmöl das flächeneffizienteste Öl ist

Auf Seiten der Palmölindustrie wird versucht mit Zertifizierungssystemen langfristig einen nachhaltigeren Anbau zu fördern und zu etablieren. In vielen Punkten hinkt die Umsetzung jedoch noch den festgelegten Maßnahmen hinterher. Vereinigungen wie der RSPO können als Greenwashing, oder aber als Beginn einer umweltschonenderen Ölproduktion gesehen werden; denn auf Palmöl komplett zu verzichten, ist aktuell nur schwer möglich. Die Palmölindustrie ist in der Pflicht die bestehenden Kriterien der Nachhaltigkeitssiegel zu überprüfen, auszubauen und als ihren Standard zu etablieren. 

Auf der anderen Seite haben wir alle mit unserem Konsumverhalten einen nicht unerheblichen Einfluss um für die hinter dem Palmöl stehenden Industrie die Weichen zu stellen und unter Zugzwang zu setzen. Aus Konsument*innensicht löst weder die Vermeidung von Palmöl zugunsten anderer Öle noch ein Umstieg auf zertifiziertes Palmöl ungeachtet der vebrauchten Menge die dem Öl Probleme hinsichtlich ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit. Wir sollten daher bewusst und kritisch konsumieren, unseren Verbrauch reduzieren und, sofern möglich, zu zertifizierten Bio- und Fair-Trade-Varianten greifen, die meist zugleich RSPO-zertifiziert sind.

 

Linkverzeichnis

[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/443045/umfrage/produktion-von-palmoel-weltweit/

[15] https://www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Nachwachsende-Rohstoffe/Bioenergie/e10/FAQ_node.html

*Aus dem Weizen eines Hektars können 3,5 t Weizenvollkornmehl erzeugt werden [16], wobei 1 kg des Mehls unter Annahme eines Ausmahlungsgrads von >98% [16] 3220 kcal enthalten [17]. 2 Mio. ha *3,5 t/ha * 3220*1000 kcal/t = 33 Mio. Menschen kalorisch zu versorgen.