Lust auf Perspektiven eines Zeitzeugen? Stephan Schöps, heute immer noch für Umweltkoordination an der TUD tätig, erzählt, wie wichtig ihm die Umweltbildung und der Gemeinschaftssinn der tuuwi – bis heute – ist: Das Interview in Kurz- und Langversion vom 29.01.2024 gibt es hier:
Ein Interviewauszug mit Stephan:
Jessi: Wie bist du zur tuuwi gekommen und wie war die Stimmung damals?
Stephan: Nach ein paar Monaten Studiumseingewöhnung habe ich mich dann zusammen mit meiner damaligen Mitbewohnerin getraut, im tuuwi-Büro anzuklopfen. Was wahrscheinlich heute auch noch so ist, wir waren Leute aus allen möglichen Fakultäten und Studiengängen – Ingenieurwissenschaftler, Psychologen, Juristen und Mitglieder aus den Wirtschafts-, Sprach- und Literaturwissenschaften und den Naturwissenschaften. Also eine bunte Mischung, was dazu führte, dass alle ihre Fachbereiche einbringen konnten und damit ein transdisziplinäres Arbeiten durch die Zusammensetzung der Gruppe bereits gegeben war. Die Stimmung innerhalb der Gruppe war immer sehr gut – zwischenzeitlich gab es nur eine kurze Phase in der wir Bedenken hatten, dass die tuuwi mangels neuer Mitglieder einschläft. In dieser Zeit war es uns vor allem wichtig das Budget für die Ringvorlesung zu erhalten – die sollten nicht wegbrechen, da dies für die TU zu der Zeit ja ein Alleinstellungsmerkmal war.
Jessi: Was sind Projekte aus deiner Zeit, die dir in Erinnerung geblieben sind?
Stephan: Mein erstes großes Projekt war die Organisation einer Umweltringvorlesung (URV) mit dem Titel „Umweltbewusst leben“ gemeinsam mit einem erfahreneren tuuwi zusammen. Wir hatten diverse regionale Akteure zu Alltagsthemen eingeladen. … Ein Highlight war einige Zeit später die Organisation einer URV gemeinsam mit dem Deutschen Hygienemuseum. Durch die Kooperation hatten wir etwas mehr Budget zur Verfügung, um auch höhere Reisekosten und Honorare für Referierende zu zahlen. Die Öffentlichkeitsarbeit war natürlich auch um einiges professioneller als bei uns und wir konnten durch den Veranstaltungsort im Hygienemuseum auch Dresdner Bürger als Vorlesungsgäste begrüßen. Es gab traditionell immer drei Vorlesungsreihen je Semester und meistens zwei Wochenendseminare. Im Durchschnitt waren so 60-70 Leute da – es gab Vorlesungen mit 20-30, aber auch solche mit weit über 100 Leuten. Im Fall von der URV „Ökologisch Bauen“ sogar so gut, dass unser klassischer Hörsaal im Mollier-Bau aus allen Nähten platzte und die Leute auf der Treppe stehen mussten.
Die Öffentlichkeitsarbeit für die Veranstaltungen war damals natürlich eine ganz andere. Im Zentrum stand die Plakatierung auf dem Campus und das tägliche Verteilen von kleinen A5 Zetteln in den Mensen. … Ein Highlight war natürlich, wenn Vortragende im Gästehaus der TU übernachtet haben, und wir uns abends nach einem Campusrundgang noch zu weiteren Diskussion auf ein Bier getroffen haben.
Wenn ich im EMAS Umweltbericht den Teil zu den Umweltringvorlesungen einfüge, dann freue ich mich jedes Mal über die neuen Themen und innovativen Formate, wie vor einiger Zeit die Idee einen Theaterworkshop mit der URV zu verbinden oder auch andere kulturwissenschaftliche Themen aufzugreifen.
Die Zeit in der tuuwi war auf jeden Fall biografieprägend. Insbesondere die Umweltringvorlesungen – das war toll, Themen selber setzen zu können, einfach losgelöst von allem zu überlegen, was interessiert mich selber und wie packe ich das in eine Vorlesungsreihe, die möglichst viele erreicht? Man kann einfach ausprobieren und Leute zu Themen einladen. Dadurch habe ich eigentlich fast genauso viel gelernt wie im Studium – mit sehr viel Praxisbezug.
Jessi: Wenn du jetzt so zurückschaust, was glaubst du, was wäre in der Uni jetzt noch nicht so, wenn es die tuuwi nicht gäbe?
Stephan: Ich denke, ein sehr wichtiges Thema ist auf jeden Fall seit Gründung der tuuwi die Umweltbildung und diese für alle Studiengänge und auch externe Interessierte zugänglich zu machen. Durch den studentischen Forderungskatalog, der vor einigen Jahren im Zuge der Hörsaalbesetzung im HSZ entstanden ist, sind eine Menge sehr positiver Dinge angestoßen worden, wie z.B. die Einrichtung des Green Office an der TU aber auch andere Themen, die jetzt in der Nachhaltigkeitsstrategie der TUD aufgenommen worden sind. Vor allem ist die tuuwi ja auch ein Korrektiv und kann spontan Dinge ansprechen die verbessert werden sollten und die wir dann in der Verwaltung versuchen umzusetzen – auch wenn die Umsetzung vieler Wünsche manchmal einen sehr langen Atem braucht und es manchmal einige bürokratische Hürden zu überwinden gilt…
Jessi: Wie würdest du sagen, hat sich die tuuwi so über die Jahre gewandelt, geändert, gestaltet? Was würdest du der tuuwi und Menschen, die heute in der tuuwi engagiert sind, mitgeben?
Stephan: Auf alle Fälle ist die tuuwi über die Zeit politischer geworden und mischt sich mehr ein, was ich sehr gut finde. Was mich beeindruckt, ist zu sehen, wie viele verschiedene Gruppierungen es jetzt gibt, wie viele verschiedene Themen weiterhin besetzt werden oder jetzt neu besetzt worden sind – an der TU, aber auch darüber hinaus auf politischer Ebene. Auch viele Aktivitäten rundherum mit keinem direkten Umweltbezug, wie beim letzten Sommerfest auf der Binderwiese der tuuwi-Chor. Das finde ich eine super tolle Entwicklung, dass die tuuwi so ein Raum zum Leben geworden ist. … Ich weiß nicht, ob es vergleichbare studentische Organisationen irgendwo anders in Deutschland gibt. Ich denke mal, die tuuwi ist da eine der ganz wenigen mit einer solchen Konstanz. Auf jeden Fall weiter so! – Und an den Themen dranbleiben. Ich denke, das ist ganz wichtig, sich nicht entmutigen zu lassen, auch wenn von irgendwo mal Steine in den Weg gelegt werden. Gleichzeitig aber auch genau zuzuhören, was die Leute erzählen über ihre Erfahrungen, die sie z.B. bei der Umsetzung von Projekten gemacht haben. Diesen Austausch zu pflegen, finde ich wichtig und meist merkt man, dass man auf gemeinsame Ziele hinarbeitet.

Stephan heute
Doch noch weiter interessiert? Dann folgt jetzt das vollständige Interview.
Stephan Schöps hat 1995 angefangen zu studieren. Er hatte gleich in seiner Jugendherberge gehört, dass es eine Umweltgruppe gibt (war vorher bei Greenpeace aktiv) – hat dann nach ein paar Monaten gleich seine erste URV organisiert zum Thema “Umweltbewusst Leben”. Er war jahrelang Mitglied bei der tuuwi und ist uns im Dezernat Liegenschaften eine gute Anlauf- und Ansprechstelle.
Jessi: Wie bist du zur tuuwi gekommen und wie war die Stimmung damals?
Stephan: Ursprünglich komme ich aus Remscheid im Bergischen Land (NRW) und bin 1995 einen Monat lang mit der Bahn durch Deutschland gereist, um mir mögliche Studienorte anzuschauen. Vor allem waren die damals noch „Neuen“ Bundesländer interessant, von denen wir jugendlichen Wessis noch nicht viel mitbekommen hatten. Ich war von den Orten und Menschen begeistert. Dresden war mir sowohl von der Größe der Stadt mit dem schönen Umland, der noch unfertigen Neustadt und von der Universität her von Beginn an sehr sympathisch. Nach ein paar Monaten Studiumseingewöhnung habe ich mich dann zusammen mit meiner damaligen Mitbewohnerin getraut, im tuuwi-Büro anzuklopfen. Was wahrscheinlich heute auch noch so ist, wir waren Leute aus allen möglichen Fakultäten und Studiengängen – Ingenieurwissenschaftler, Psychologen, Juristen und Mitglieder aus den Wirtschafts-, Sprach- und Literaturwissenschaften und den Naturwissenschaften. Also eine bunte Mischung, was dazu führte, dass alle ihre Fachbereiche einbringen konnten und damit ein transdisziplinäres Arbeiten durch die Zusammensetzung der Gruppe bereits gegeben war.
Die Stimmung innerhalb der Gruppe war immer sehr gut – zwischenzeitlich gab es nur eine kurze Phase in der wir Bedenken hatten, dass die tuuwi mangels neuer Mitglieder einschläft.
In dieser Zeit war es uns vor allem wichtig das Budget für die Ringvorlesung zu erhalten – die sollten nicht wegbrechen, da dies für die TU zu der Zeit ja ein Alleinstellungsmerkmal war.
Jessi: Was sind Projekte aus deiner Zeit, die dir in Erinnerung geblieben sind?
Stephan: Mein erstes großes Projekt war die Organisation einer Umweltringvorlesung (URV) mit dem Titel „Umweltbewusst leben“ gemeinsam mit einem erfahreneren tuuwi zusammen. Wir hatten diverse regionale Akteure zu Alltagsthemen eingeladen. Natürlich war dies bei mir auch aus dem persönlichen Interesse heraus, Leute im Bereich Umweltschutz vor Ort kennenzulernen. Ein Highlight war einige Zeit später die Organisation einer URV gemeinsam mit dem Deutschen Hygienemuseum. Durch die Kooperation hatten wir etwas mehr Budget zur Verfügung, um auch höhere Reisekosten und Honorare für Referierende zu zahlen. Die Öffentlichkeitsarbeit war natürlich auch um einiges professioneller als bei uns und wir konnten durch den Veranstaltungsort im Hygienemuseum auch Dresdner Bürger als Vorlesungsgäste begrüßen. Es gab traditionell immer drei Vorlesungsreihen je Semester und meistens zwei Wochenendseminare. Im Durchschnitt waren so 60-70 Leute da – es gab Vorlesungen mit 20-30, aber auch solche mit weit über 100 Leuten. Im Fall von der URV „Ökologisch Bauen“ sogar so gut, dass unser klassischer Hörsaal im Mollier-Bau aus allen Nähten platzte und die Leute auf der Treppe stehen mussten. Die Öffentlichkeitsarbeit für die Veranstaltungen war damals natürlich eine ganz andere. Im Zentrum stand die Plakatierung auf dem Campus und das tägliche Verteilen von kleinen A5 Zetteln in den Mensen. Das Spannende war natürlich dann immer zum Semesterauftakt: wie viele Leute kommen, wie viele sprechen die Themen an – oder bleibt es ein interner Kreis von den Leuten, die wir eh alle kennen. Ein Highlight war natürlich, wenn Vortragende im Gästehaus der TU übernachtet haben, und wir uns abends nach einem Campusrundgang noch zu weiteren Diskussion auf ein Bier getroffen haben. Wenn ich im EMAS Umweltbericht den Teil zu den Umweltringvorlesungen einfüge, dann freue ich mich jedes Mal über die neuen Themen und innovativen Formate, wie vor einiger Zeit die Idee einen Theaterworkshop mit der URV zu verbinden oder auch andere kulturwissenschaftliche Themen aufzugreifen.
Die Zeit in der tuuwi war auf jeden Fall biografieprägend.
Insbesondere die Umweltringvorlesungen – das war toll, Themen selber setzen zu können, einfach losgelöst von allem zu überlegen, was interessiert mich selber und wie packe ich das in eine Vorlesungsreihe, die möglichst viele erreicht? Man kann einfach ausprobieren und Leute zu Themen einladen. Dadurch habe ich eigentlich fast genauso viel gelernt wie im Studium – mit sehr viel Praxisbezug.
Jessi: Wenn du jetzt so zurückschaust, was glaubst du, was wäre in der Uni jetzt noch nicht so, wenn es die tuuwi nicht gäbe?
Stephan: Ich denke, ein sehr wichtiges Thema ist auf jeden Fall seit Gründung der tuuwi die Umweltbildung und diese für alle Studiengänge und auch externe Interessierte zugänglich zu machen. Durch den studentischen Forderungskatalog, der vor einigen Jahren im Zuge der Hörsaalbesetzung im HSZ entstanden ist, sind eine Menge sehr positiver Dinge angestoßen worden, wie z.B. die Einrichtung des Green Office an der TU aber auch andere Themen, die jetzt in der Nachhaltigkeitsstrategie der TUD aufgenommen worden sind.
Vor allem ist die tuuwi ja auch ein Korrektiv und kann spontan Dinge ansprechen, die verbessert werden sollten und die wir dann in der Verwaltung versuchen umzusetzen – auch wenn die Umsetzung vieler Wünsche manchmal einen sehr langen Atem braucht und es manchmal einige bürokratische Hürden zu überwinden gilt.
Aktuell machen viele Entwicklungen an der Hochschule Mut: sowohl im Großen mit der gerade verabschiedeten Nachhaltigkeitsstrategie der TU Dresden mit vielen Maßnahmen, die sich auch schon die tuuwi seit langem wünscht, als auch im Kleinen mit vielen Projekten, die zur Identifikation mit der TU und dem Campus beitragen und zum Mitwirken einladen, wie die Patenbäume und Bänke, die Blühwiesen oder die Bienenvölker auf dem Campus. Mit den Themen Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung, Campusentwicklung und mehr Klimaschutz an der TU haben die tuuwis die TU Dresden geprägt und auch für die kommenden Jahre noch viele Aufgaben vor sich.
Jessi: Wie würdest du sagen, hat sich die tuuwi so über die Jahre gewandelt, geändert, gestaltet? Was würdest du der tuuwi und Menschen, die heute in der tuuwi engagiert sind, mitgeben?
Stephan: Auf alle Fälle ist die tuuwi über die Zeit politischer geworden und mischt sich mehr ein, was ich sehr gut finde. Was mich beeindruckt, ist zu sehen, wie viele verschiedene Gruppierungen es jetzt gibt, wie viele verschiedene Themen weiterhin besetzt werden oder jetzt neu besetzt worden sind – an der TU, aber auch darüber hinaus auf politischer Ebene. Auch viele Aktivitäten rundherum mit keinem direkten Umweltbezug, wie beim letzten Sommerfest auf der Binderwiese der tuuwi-Chor. Das finde ich eine super tolle Entwicklung, dass die tuuwi so ein Raum zum Leben geworden ist. Menschen mit ganz verschiedenen Hintergründen stellen Gemeinsames auf die Beine, zeigen bei den Themen nach wie vor Biss, bleiben dran und das über so viele Jahre hinweg, das ist etwas sehr Besonderes.
Ich weiß nicht, ob es vergleichbare studentische Organisationen irgendwo anders in Deutschland gibt. Ich denke mal, die tuuwi ist da eine der ganz wenigen mit einer solchen Konstanz.
Auf jeden Fall weiter so! – Und an den Themen dranbleiben. Ich denke, das ist ganz wichtig, sich nicht entmutigen zu lassen, auch wenn von irgendwo mal Steine in den Weg gelegt werden. Gleichzeitig aber auch genau zuzuhören, was die Leute erzählen über ihre Erfahrungen, die sie z.B. bei der Umsetzung von Projekten gemacht haben. Diesen Austausch zu pflegen finde ich wichtig und meist merkt man, dass man auf gemeinsame Ziele hinarbeitet – und vielleicht sind nur die Wege und Methoden diese zu erreichen etwas unterschiedlich. Geduld ist auch notwendig – manchmal braucht es mehrere Studierendengenerationen bis Projekte umgesetzt und Ziele erreicht werden können.
Das Interview wurde am 29.01.24 in der StuRa-Baracke im tuuwi-Büro von Jessica Flecks geführt. Der vorliegende Text wurde basierend auf dem Audiotranskript des Interviews von Klara-Johanna Fabisch editiert.