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Zukunfts-Zug: Mit Wasserstoff von Cuxhaven nach Buxtehude

Seit Montag sind in Norddeutschland zwei mit Wasserstoff betriebene Triebwagen im Einsatz.

Bericht von Jonas Bechtel

 

Leise sirren die Motoren, und der Zug setzt sich in Bewegung, bis die Aggregate nach ca. 6 Sekunden mit einem unüberhörbaren mittel-hoch-frequenten Ton einsetzen. Sobald der Coradia iLint, vorgestellt auf der letzten Eisenbahn-Messe Innotrans (2016) und (schon) im Juli dieses Jahres (2018) zugelassen, die Reisegeschwindigkeit erreicht hat, hört man im Fahrgastraum wieder – nichts*.

Was ist besonders an diesem Zug? Er fährt erst seit Montag, pünktlich zur diesjährigen Innotrans (2018) vom Hamburger Umland an die Nordsee und ist damit der weltweit erste mit Wasserstoff betriebene Zug im regulären Linienbetrieb.

Während der Wasserstoffantrieb bei Privat-Autos wohl nie eingesetzt werden wird (→https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/brennstoffzellenauto-102.html), ist eine Einsatz im Busnahverkehr möglich, so testet die Hochbahn seit 2003 mehrere Modelle (→ https://dialog.hochbahn.de/bus-in-zukunft/brennstoffzellenhybridbus-in-hamburg-2/). Der Einsatz von Wasserstoffzügen im Schienen-Fernverkehr ist ebenso unwahrscheinlich, wie es auch bei den Dieselzügen ist: Der Betrieb der ICE-TD der DB wurde im Jahr 2017 eingestellt. Der Hauptgrund liegt wohl in der niedrigen Leistungsdichte der Diesel-/Wasserstoff-Technik. Für die hohe Fahrleistung (also den hohen Energieverbrauch) im Hochgeschwindigkeitsverkehr müssten Großteile des Zugs aus Antriebstechnik bestehen.
Aber für den Nahverkehr auf selten befahrenen** unelektrifizierten Strecken stellt der Wasserstoffantrieb eine wirtschaftlich sinnvolle Option dar.

Zur Brennstoffzellentechnik

Es gibt verschiedene Stoffe, die in Brennstoffzellen in elektrischen Strom und Wärme umgewandelt werden. Hier geht es um den reinen Wasserstoff (H2), der entweder als Abfallprodukt aus einem chemischen Prozess anfällt oder per Elektrolyse aus Wasser (H2O) entsteht. Für die Elektrolyse wird Strom gebraucht, der z. B. von einem Windrad während Stromüberschussphasen erzeugt werden könnte.

In der Brennstoffzelle wird auf der einen Seite Wasserstoff und auf der anderen Seite Sauerstoff an eine Membran geführt. Der Wasserstoff ist einerseits bestrebt, zum Sauerstoff zu gelangen, passt aber nur ohne sein Elektron und ohne Molekülbindung durch die Membran. Da die Anziehungskraft des Sauerstoffs größer als die Bindung zum anderen Wasserstoff-Atom und zu den Elektronen in der Atombindung ist, wandern die Wasserstoff-Ionen (H+) durch die Membran und reagieren auf der anderen Seite mit dem Sauerstoff. Die freiwerdenden Elektronen werden mit einer Platte gesammelt und stellen den Strom dar, der nach Parallelschaltung und Umrichtung für einen Zugantrieb genutzt werden kann.

Vergleich der Antriebsarten im Zugverkehr

Die wichtigsten Antriebsarten sind hier nacheinander dargestellt. Nicht im Vergleich sind die folgenden Antriebstechniken enthalten: Seilbahnen, Standseilbahnen, Batteriebetrieb, Dampfloks.

Elektrisch (Fahrleitung/Stromschiene)

Energiebetrachtung (Ausschnitt): Mittlerer Verlust bei Übertragung, hoher Wirkungsgrad der Motoren

Sicherheit: Sicher. Es darf niemand an die Oberleitung/Stromschiene fassen.

Geschwindigkeit: Hoch

Leistungsdichte****: Hoch (eine Lok reicht vor einem langen Güterzug/Schnellzug)

Lautstärke: Leise

Schadstoffausstoß: Nur Wasserdampf, außerdem während der Stromerzeugung, wenn überhaupt.

Anfahrdynamik*****: Hoch

Energierückgewinnung: Heute Standard; häufig per Einspeisung in die Stromleitung.

 

Elektrisch (Wasserstoff)

Energiebetrachtung (Ausschnitt): Hoher Verlust durch Brennstoffzellen (nur 42% Wirkungsgrad bei einem Zyklus***), hoher Wirkungsgrad der Motoren

Sicherheit: „Genau so sicher wie andere Zugfahrten auch“. [Wenn sich Wasserstoff mit Luft/Sauerstoff mischt, entsteht explosives Knallgas.]

Geschwindigkeit: Hoch (nicht so hoch wie mit Oberleitung)

Leistungsdichte****: Niedrig (Speicher, Brennstoffzellen und Umrichter brauchen Platz)

Lautstärke: Laut beim Anfahren, leise im Leerlauf.

Schadstoffausstoß: Nur bei der Stromerzeugung, wenn überhaupt.

Anfahrdynamik*****: Mittel

Energierückgewinnung: Technisch möglich, derzeit mit Lithium-Ionen-Akkus zwischengespeichert.

 

Dieselbetrieben (inkl. dieselelektrisch)

Energiebetrachtung (Ausschnitt): Geringer Nutzwirkungsgrad des Motors (33 %)

Sicherheit: Sicher. Die Entlüftung der durchfahrenen Tunnel muss funktionieren.

Geschwindigkeit: Hoch (nicht so hoch wie mit Oberleitung)

Leistungsdichte****: Niedrig (zwei Loks BR 218 sind vor einem IC nötig.)

Lautstärke: Sehr laut beim Anfahren, laut im Leerlauf

Schadstoffausstoß: Wasserdampf, Feinstaub, Kohlenstoffdioxid, Kohlenstoffmonoxid, u. a. (berechenbarer als bei Diesel-Pkw)

Anfahrdynamik*****: Niedrig

Energierückgewinnung: I. d. R. keine (ggf. im dieselelektrischen Betrieb)

Ausblick

Wenn der Zug iLint bremst, wird die zurückgewonnene Energie in den Lithium-Ionen-Akkus gespeichert. Technisch wäre es zwar möglich, am Zug eine Elektrolyse durchzuführen und die zurückgewonnene Energie als Wasserstoff wieder in die Tanks zu speichern. Aber die notwendigen Apparate sind vmtl. aufwändiger und teurer als die Akkus.

Derzeit stammt der Wasserstoff noch vom „Großmarkt“, könnte aber auch bald von einem Chemiebetrieb in Stade geliefert werden, wo er als Abfallprodukt anfällt. Und vielleicht werden in Zukunft tatsächlich die Windenergieanlagen für die Wasserstofferzeugung genutzt. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass bald weitere spannende Meldungen rund um den neuen Wasserstoffzug zu lesen sein werden.

(Anmerkungen)

* Dass man nichts hört, stimmt nicht. Abhängig davon, an welcher Stelle im Zug man sich befindet, hat man ein so starkes Klimaanlagengeräusch, dass man die feierliche Begrüßungs-/Verabschiedungsdurchsage schlicht nicht verstehen kann.

** (1 Zugpaar pro Stunde)

*** Die Elektrolyse von Wasserstoff aus Wasser hat einen energetischen Wirkungsgrad von 70%; die Nutzung in der Brennstoffzelle geht mit Wirkungsgraden um 60% einher. Insgesamt weist das Wasserstoffsystem also (ohne Transport) einen Wirkungsgrad von 42% auf. Falls der Wasserstoff als Abfallprodukt in einem Industrieprozess anfällt, kann dieser Wert sogar steigen.

**** je höher die Dichte, desto weniger Platz braucht eine Antriebseinheit

***** eine schnelle Beschleunigung ermöglicht kompaktere Bahnhöfe

Trampen – Weg und Ziel

Seit etwa einem Jahr trampe ich dann und wann von Dresden nach Berlin und zurück. Abenteuerlust, Geiz aber vor allem diese Absurdität, dass so viele Autos auf den Straßen rumfahren, in denen nur ein Mensch sitzt, sind meine Motivation.

Da fahre ich dann also mit meinem Pappschild, auf dem „Berlin“ mit der Linie 70 bis zu einer Kreuzung kurz vor der Autobahnauffahrt, setze an mein breitestes Lächeln auf, halte den Daumen raus und warte. Meistens nicht länger als 10 Minuten, dann hält jemand an und will mich mitnehmen.

Ich werfe einen Blick in das Auto und frage mich: wie ist mein Bauchgefühl? Jedenfalls versuche ichs, aber dazu später mehr.
Meistens ist es gut.
„Hallo, ich bin Henrike. Fährst du nach Berlin rein?“ „Ja, genau“ „Cool, dann würd ich gern mitfahren. Wärs okay, wenn ich einer Freundin das Autokennzeichen schicke“ „Ja, klar, kein Problem“. Dann tipp ich das Kennzeichen in mein Handy und steige ein.

Bei den ganzen lieben Leuten, die mich mitnehmen, habe ich bis jetzt drei Motivationen bzw. „Typen“ feststellen können. Völlig verallgemeinernd und ungenau, natürlich.

1. Ältere Herren, die beruflich unterwegs sind
schnelle große Autos, viel Technik installiert. Nehmen nicht oft Tramper/innen mit, aber ich sah ungefährlich aus. Dann reden wir viel über das, was ich so mache, und ein bisschen über das, was er so macht und ich kriege (teilweise vermeintlich) wertvolle Lebensratschläge. In kürzester Zeit bin ich am Ziel, denn wir Brettern mit 190 über die A13.

2. Familien
Weil ich so nett aussah halten sie an. Und manchmal auch, weil sie hoffen, dass ihre Kinder selbst nie, NIE trampen werden und wenn schon, dann bitte, bitte, dann nicht von gefährlichen Menschen mitgenommen werden. Je nach Alter der anwesenden Kinder /Jugendlichen läuft eine Märchenkasette oder K-Pop. Es ist voll entspannt, ich sitze ruhig auf dem Rücksitz und hab Zeit zum Schlafen oder Lesen oder Märchenkasette hören.

3. Tramper
Sie sind selbst schon viel in der Welt rumgetrampt, und haben da viele schöne Erfahrungen gemacht oder finden das aus anderen Gründen gut, zum Beispiel ökologischen. Ihre Fahrten haben sie auch bei einer Online-Mitfahrzentrale angeboten, aber niemand wollte, oder vielleicht steigt noch jemand in Berlin dazu. Die Autos sind kleiner und/oder älter als von Typ 1 und 2, vielleicht auch geliehen. Wo unser Gespräch uns hinführt, weiß ich vorher nie. Aber dort wo ich hin will, komme ich gut unter- und wohl behalten an.

das Wohlbehalten ankommen ist beim Trampen ein Thema, das eigentlich alle beteiligten beschäftigt. Immerhin kommt man auf sehr engem Raum zusammen, ein Raum, der für den einen ein eigener privater Raum ist in dem man jemand anderen einläd, und gleichzeitig eine abschließbare bewegliche Kapsel, in die sich der andere begibt.

Ich hatte bis jetzt beim Trampen – also insgesamt vielleicht 15 Fahrten – eine Situation, in der ich mich echt unwohl gefühlt habe: Mein Begleiter fing auf einmal an, davon zu erzählen, wie ihn mal eine Tramperin ins Lenkrad gegriffen und ihn mit Pfefferspray bedroht habe. WTF?!

Und hier greift meiner Meinung nach genau das, was ich oben schon meinte: Mein Bauchgefühl war eigentlich auch am Anfang nicht gut, eingestiegen bin ich aber trotzdem. Seit dem bin ich konsequenter darin, das Kennzeichen des Autos, in das ich einsteige einer vertrauten Person zu schicken, und dem/der Fahrer/in das auch zu sagen. Aber bisschen Risiko ist natürlich immer da. Leben halt.

Die, die sich entscheiden mich mit zu nehmen, machen natürlich auch eine Risikoabwägung für sich.  Ich bin eine junge weiße Frau, die allein unterwegs ist. Ich denke auch, dass man mir meine Soziale Blase ansehen kann, daran, wie ich mich kleide und wie ich mich verhalte, wie ich rede: junge Akademikerin. “Die Leute” haben vor mir wenig Angst. Das ist schön für mich, denn ich werde schnell mitgenommen. Einen Mann in meinem Alter, oder mehrere: die meisten (Typ 1 und 2), die mich mitnehmen haben mir auch ganz klar gesagt, dass sie da nie auf die Idee kämen, an zu halten. Ich werde als ungefährlicher und gefährdeter wahrgenommen. Ich sehs als Privileg, und wünsche mir, dass die Assoziation von Männlichkeit (und auch nicht-weiß-sein) weiter abgebaut wird. Ich gönns meinen männlichen Freunden, nicht 3 Stunden auf einer Autobahnraststätte jeden anzusprechen, und nicht mitgenommen zu werden.  Vielleicht sind der Großteil der Gewalttäter Männer, und mit ziemlicher Sicherheit ist der Großteil der Männer nicht gewalttätig. Wie wir ingesamt mehr Vertrauen ineinander haben können, ist eine Frage, die mich beschäftigt – und ob das überhaupt eine sinnvolle Utopie ist.

Was meint ihr?

(hc)

Auf der falschen Schiene – Über Zugzwang in Zeiten des Klimawandels

„Guten Tag, herzlich willkommen im Intercity von Dresden Hbf nach Wiesbaden Hbf! Wenn Sie der reichen Oberschicht angehören oder zumindest so wirken wollen, dann sind Sie hier genau richtig! Für nicht einmal 100 € (Sitzplatzreservierung nicht inklusive) kommen Sie hier ohne Umsteigen bequem von Dresden bis nach Frankfurt a. M.! Klingt günstig? Dann nehmen Sie doch lieber gleich die erste Klasse! Das ist wie zweite Klasse, nur 75 € teurer. Ach so, Sie studieren? Dann muss ich Sie leider darauf hinweisen, dass Ihr Sachsenticket in diesem Zug keine Gültigkeit besitzt. Nein, auch nicht für einen Tagestrip nach Leipzig. Wenn Sie irgendwann am Anfang Ihrer Studienzeit einmal die AGB gelesen haben, wird Ihnen sicherlich aufgefallen sein, dass schnelle Züge vom Semesterticket ausgeschlossen sind. Für einen erhöhten Fahrpreis von 60 € nehmen wir Sie aber selbstverständlich gerne mit! Wegen Erschleichung einer kostenpflichtigen Leistung, ach, nennen wir es einfach Schwarzfahren. Erpressung? Nein, so ein starkes Wort, von irgendetwas müssen die Bahnangestellten doch leben. Die Deutsche Bahn ist ja auch kein Wohlfahrtsunternehmen…“

Kkkrrck!

Wie wahr! „Der Klimawandel wartet nicht auf den Bachelor“, hat mir jemand gesagt. Die Deutsche Bahn offenbar schon. Denn während im Jahre 2018 mehr Menschen ein Auto besitzen als jemals zuvor und diese trotz effizienterer Motoren durch wachsende Größe und Gewicht mehr Sprit verbrauchen als ihre unsauberen Vorgänger, dann müssen zügig Alternativen geschaffen werden, wenn wir auch in hundert Jahren noch mobil sein wollen. Dass ein Elektroauto für jede*n nicht die Lösung des Problems sein kann, dürfte auch allen (Hersteller von Elektroautos ausgenommen) einleuchten. Und was den Flugverkehr betrifft, so war dieser immer schon ein Privileg der Industrienationen. Nicht auszudenken was passierte, wenn plötzlich alle Nigerianer auf die Idee kämen, für 29,00 € in den Urlaub zu fliegen. Oder doch lieber eine Kreuzfahrt an das Nordkap? Ja, die westliche Welt ist schon verdammt kreativ darin, sich Fortbewegungsarten auszudenken, die auf Kosten des ganzen Erdballs gehen.

Der Schienenverkehr hingegen wird auf lange Sicht wohl am effizientesten bleiben. Geringer Widerstand, große Reichweite, keine Staus, keine Eisberge – die Bahngesellschaften sind sich der Vorteile durchaus bewusst. Und doch bahnt sich Ärger an. 100 % Ökostrom? Schön wäre es! Auch wenn gerne behauptet wird, Bahnfahren sei gut für die Umwelt – von einem klimaneutralen Schienenverkehrssystem sind wir noch meilenweit entfernt. Dass die Züge in Deutschland immer noch zu einem großen Teil mit Strom aus Kohle, Atomkraft oder Erdgas fahren, macht sich natürlich nicht besonders gut. Und dadurch, dass man dieses Netzwerk ausbaut, ändert sich am Grundproblem leider erst mal gar nichts.

Und das einzige, was den Bahngesellschaften einfällt, ist, Greenwashing zu betreiben und gleichzeitig die Fahrpreise zu erhöhen. „Nun gut!“, könnte man sagen, „Zugfahren kostet eben Geld und wenn man dafür etwas tiefer in die Tasche greifen muss, dann überlegen die Leute es sich vielleicht zweimal, ob sie wirklich jede Woche quer durch Deutschland fahren wollen. Schließlich verbrauchen auch Züge Strom. Und wo Leistungen vergünstigt werden, ist ein Rebound-Effekt schon vorprogrammiert.“ Dumm nur, dass Zugfahren damit auch national zu einem Privileg der Reichen wird. Denn so etwas wie ein Grundrecht auf Mobilität gibt es eben nicht. Während manche sich weder ein Jahresticket für die Straßenbahn noch ein verkehrstaugliches Fahrrad leisten können, halten es andere für selbstverständlich, jederzeit an jeden Ort der Welt gelangen zu können. Wer hingegen diesem Klassensystem zu entkommen versucht, macht sich leicht strafbar. Nicht nur im juristischen Sinne – Schwarzfahren ist in Deutschland auch ein moralisches Verbrechen. Es gehört sich eben nicht. Was bilden sich diese „Sozialschmarotzer“ bloß ein, auf Kosten der anderen zu fahren? Es ist schon bezeichnend für unsere Gesellschaft, Armut als scheinbar logische Konsequenz moralischer Verderbtheit zu deklarieren. Nicht umsonst sprechen viele selbsternannte Progressive gerne von „sozial Schwachen“, wenn sie eigentlich die aus dem Kapitalismus hervorgegangenen Verlierer meinen, und halten diese Terminologie sogar noch für Politcal Correctness. Mit Gleichberechtigung hat das nichts zu tun. Zugfahren können in Deutschland nur diejenigen, die es sich leisten können. Der Klimawandel wartet nicht auf den Bachelor. Wer hingegen gerne verreist, sollte sich vor dem Gang zum Fahrkartenautomaten lieber um einen Hochschulabschluss und ein festes Einkommen kümmern.

Also was können wir tun? Den (Nah-)personenverkehr kostenlos und vor allem auch bedingungslos (d.h. für alle, nicht nur für Deutsche) zu gestalten, wäre ein geradezu bahnbrechender Schritt, hin zu einer klassenlosen Gesellschaft, in welcher nicht mehr der Kontostand über die Grundrechte entscheidet. Natürlich nur einer von vielen, aber kein unwichtiger. Weitaus radikalere Ideen werden folgen.

Utopisch? Das ist gerade erst der Anfang! Wie wäre es zum Beispiel mit…

Kkkrrck!

„Verzeihen Sie die kurze Störung. Aufgrund eines technischen Defekts ist es zu unerwarteter Kritik gekommen. Es ist aber weiter nichts Schlimmes passiert. Genießen Sie die Fahrt in vollen Zügen. Wir wünschen Ihnen eine angenehme Weiterreise!“

DB

Do (repair) it (your bicycle) yourself (with a little help)

Wer öfters mal mit dem Fahrrad unterwegs ist (und wer nicht sollte es mal ausprobieren macht Spaß!) der wird wissen, dass das Ding einfach nicht ewig hält. Die Kette springt dauernd runter, irgendetwas schleift oder der Lenker wackelt komisch… Entweder man ignoriert das dann gekonnt (schlecht) oder aber man geht die Sachen an (sehr gut, sein Zeug zu pflegen und zu reparieren ist Ressourcenschonung pur!). Gut, dass es da neben den normalen Fahrradläden und -werkstätten auch noch eine Alternative für das chronisch leere (Studenten-) Konto gibt: Fahrradselbsthilfewerkstätten. Klar, fast jeder hat schon davon gehört, dieser Post soll ja aber auch nicht nur eine Info sein, sondern eher der Appel, mal selbst davon Gebrauch zu machen!
Was man dabeihaben muss:

      • Das eigene Fahrrad mit dem leider etwas nicht in Ordnung ist
      •  Lust, selbst (oder mit der tatkräftigen Hilfe der ehrenamtlichen Mitarbeiter dort) das Problem zu suchen (falls nicht schon bekannt) und zu lösen
      • Etwas Zeit
      • Eine kleine Spende, wenn ihr nett sein wollt

    Ob du noch nie einen Platten geflickt hast oder dir dein Fixed Gear Messenger Bike komplett selbst zusammengeschraubt hast, dir wird Hilfe zur Selbsthilfe geleistet, und sei es nur, dass du ein spezielles Werkzeug brauchst welches kein Mensch sonst selbst besitzt. Probiert es doch einfach das nächste Mal aus, in puncto Öffnungszeiten und Adressen hilft euch die Suchmaschine eures Vertrauens (Stichwort: „Fahrradselbsthilfewerkstatt Dresden“) weiter.
    Liebe geht raus an alle ehrenamtlichen, engagierten Fahrradschrauber*innen, die uns alle dort mit Rat und Tat unterstützen. <3

Fragen …

Das Klimacamp im Leipziger Land ist vorbei. Viele tuuwis waren Teil dessen und sind voller Eindrücke.

Denn vor einem Tagebau stehend, in dieses riesige Loch blickend, im Hintergrund dieses abstrakt große Kraftwerk, beginnt man sich Fragen zu stellen, auf die man keine Antwort hat.

Fragen wie …

Würden die Menschen anfangen, weniger zu konsumieren und zu verbrauchen, wenn sie die Menschen kennen würden, die hier vertrieben werden? Sehen würden, wieviel Natur hier in ein großes schwarzes Loch verwandelt wird?

Wenn anstelle des 5 mal 5 km großen Lochs eine Großstadt wäre, wieviele Menschen könnten da leben? 100.000? 500.000?

Ist den Menschen vor Ort bekannt, dass auf der anderen Seite der Erde, dem Inselstaat Tuvalu, mittlerweile Entsalzungsanlagen eingesetzt werden müssen, da der Meeresspiegelanstieg zur Grundwasserversalzung führt?

Dass auch wir hier in Deutschland dafür verantwortlich sind?

Dass CO2 auch in den Meeren gebunden wird und dort zu einer Versauerung führt und das Meer als Ökosystem insgesamt gefährdet?

Ist es Zynismus, dass Tagebaue immer die Namen der Orte tragen, die zerstört wurden? Oder eine Art absurdes Gedenken an den Ort?

Warum sehe ich die Tagebaue in Mitteldeutschland auf einem Satellitenbild von Europa, wenn doch angeblich das einzige menschengemachte Bauwerk, welches aus dem Weltall zu sehen ist, die chinesische Mauer sein soll?

Wie verdrängt man den Gedanken, seinen Kindern eine kaputte Erde zu hinterlassen, wenn man im Tagebau arbeitet?

Ist ein „sicherer Arbeitsplatz“ eigentlich eine Art Religion?

Warum ist es für Schulklassen keine Pflicht, sich einen Tagebau anzusehen und die Folgen dieses Eingriffs kennenzulernen?

Warum wächst in so einem riesigen Loch eigentlich keine einzige Pflanze?

Ist den Menschen bewusst, dass ein Drittel der gefluteten Tagebaue, die der „Erholung“ dienen sollen, so sauer sind, dass kein Fisch drin überleben würde? Und dass es für das Problem bei vielen Seen keine langfristige Lösung gibt? Dass es womöglich viele hundert Jahre dauern kann, bis sich der Zustand ändert?

Warum arbeitet der ehemalige sächsische Ministerpräsident Tillich, der sich jahrzehntelang für die Kohleindustrie eingesetzt hat, jetzt als Vorsitzender in der Kohlekommission, die den Ausstieg aus der Kohle planen soll?

Warum sitzt in dieser Kommission kein Mensch von den Grünen? Oder einer anderen Oppositionspartei?

Warum darf ein Konzern 80% der Häuser eines Dorfes kaufen, ohne dass er die Häuser nutzt? Und noch nicht mal eine Genehmigung hat, an dieser Stelle Bergbau zu betreiben?

Was sagt es über uns aus, dass die höchsten Gebäude früher Schlösser und Kirchen waren, heute aber Kühltürme sind? Dass selbst das Wahrzeichen Leipzigs, das Cityhochhaus, 30 m niedriger ist?

Warum ist es möglich in Deutschland 100.000 Menschen, die auf dem Dorf leben durch den Braunkohletagebau zu vertreiben, nicht aber 100.000 Menschen einer Stadt?

Ist den Menschen bewusst, dass dieses Kraftwerk jährlich über 10 Mrd. kg CO2 ausstößt?

Und außerdem noch Tonnen von Arsen, Cadmium, Quecksilber, Blei, Chrom und andere Schwermetallen?

Dass die tödliche Dosis von Arsen bei einer Menge von 100 mg liegt?

Dass man mit den 72 kg Arsen, die das Kraftwerk 2013 ausgestoßen hat, somit 720.000 Menschen tödlich vergiften könnte?

Und wenn diese ganzen Fragen im Raum stehen, warum laufen diese Bagger eigentlich noch jeden verdammten Tag?

Photos (wikipedia)
Kraftwerk Lippendorf: Ansgar Koreng / CC BY-SA 4.0
Tagebau Vereinigtes Schleenhain: High Contrast / CC BY 3.0 DE