Wir solidarisieren uns mit der Besetzung des Dannenröder Waldes zur Verhinderung des Neubaus der Autobahn – A49

In der Nähe des hessischen Dannenrod, 20 km von Marburg entfernt, wird der Dannenröder Wald besetzt.

Auslöser sind sehr konkrete Pläne, die vorsehen, durch diesen Wald eine neue Autobahntrasse zu bauen. Die neue Autobahn soll zukünftig auf 120 km Kassel mit Gießen verbinden. Damit spart die neue Verbindung 30 km im Vergleich zur heutigen Strecke. Ein Teil davon ist bereits in Betrieb.

Die Kosten für den kompletten Ausbau sind kaum genau bezifferbar. Ein 11,8 km langer Abschnitt ab Bischhausen schlug beispielsweise mit 243 Mio. Euro zu Buche. Pro Meter sind das somit 20.600 Euro. Dass die komplette Autobahn damit mehrere Milliarden Euro kosten wird, davon kann man ausgehen. Mehrere Milliarden für 30 km Wegersparnis!

Im Dannenröder Wald ist nun zu erwarten, dass ab Oktober Baumfällungen stattfinden, um Platz für die neue Autobahn zu schaffen. Einem Mischwald mit vielen Eichen und Buchen, der seit den 1980er Jahren nachhaltig bewirtschaftet wird. Keine Kiefernplantage, die in den nächsten Jahren aufgrund des Klimawandels vermutlich ohnehin kaum Chancen haben wird, zu überleben.

Aufgrund der ab Oktober beginnenden Rodungssaison wächst die Besetzung derzeit kräftig. Waren es vor einem Jahr nur einige wenige Menschen, sind es derzeit schon um die 100, die sich Baumhäuser gebaut haben und den Wald besetzen. Mittlerweile sind auch Organisationen, wie der BUND, der NABU, Fridays for Future, Ende Gelände und Extinction Rebellion dabei.

Soweit zu den Fakten.

Denn auch wir in der tuuwi fragen uns, wie weiterhin eine so anachronistische Verkehrspolitik gemacht werden kann? Eine Verkehrspolitik aus den 1960er Jahren, durch welche immer mehr Straßen für Autos und LKWs gebaut wurden und diese zu immer mehr Verkehr geführt haben. Wissenschaftlich sind diese Konzepte längst überholt. Aber alte, sich immer wieder reproduzierende Strukturen bauen auch weiterhin denselben Unsinn, wenn wir nicht endlich aufstehen und laut STOP! rufen.

Wir fragen uns, wie trotz eines sich verschärfenden Klimawandels, weiterhin der individuelle Autoverkehr und der LKW-Verkehr in einer solch massiven Form gefördert werden kann?

Daher solidarisieren wir uns mit der Besetzung und rufen zum Widerstand gegen dieses völlig absurde Bauprojekt auf!

Denn trotz des Wissens der Verantwortlichen, dass der Klimawandel in seinen extremsten Ausmaßen nur mit echten politischen Änderungen verhindert werden kann, sind die praktischen politischen Änderungen in der Realität bisher nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Denn ganz real geht „nur noch“ dieses wirklich eine letzte Kohlekraftwerk ans Netz, wird „nur noch“ dieses eine letzte Dorf für einen Tagebau abgerissen. Und „nur noch“ diese eine letzte neue Autobahn durch ein Trinkwasserschutzgebiet gebaut. Wie viele dieser „nur nochs“ wird es geben und wann beginnen echte Änderungen?

In der Theorie hören wir von Energiewende und von Verkehrswende. In der Praxis aber sind die Fortschritte in Anbetracht der Folgen fossilen Wirtschaftens so verschwindend gering, dass man sich fragen muss, wie ernst das alles gemeint ist.

Daher:

  • Kein Neubau der A 49!
  • Keine weitere Förderung des PKW und LKW-Verkehrs!
  • Nutzung der Milliardeninvesititionen für eine echte Verkehrswende, die den öffentlichen Verkehr stärkt und Lasttransporte auf die Schiene verlagert!
  • Und: Lernt das schöne Hessen kennen – unterstützt die Besetzung des Dannenröder Waldes!
  • Informiert euch über dieses Bauprojekt und sprecht mit euren Freunden und Freundinnen darüber!
  • Wir tun das auch! Tschakka 🙂

Weitere Infos

Hoffnung in Dresden und Chaos in der Welt – ein Kommentar

Die Rhythms of Resistance. Wie so oft auch am vergangenen Montag vor dem Amtsgericht Dresden dabei, wo die Strafverfahren gegen die Hörsaalbesetzer*innen eingestellt wurden. Oder wie hier – im Januar 2019 bei der Aktion Kohlekubus.
Die Strafanträge gegen die Hörsaalbesetzer*innen vom November 2019 wurden fallen gelassen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in Dresden aber auch der Welt, möchte ich mich an dieser Stelle erneut zu zivilem Ungehorsam und politischer Partizipation äußern. Dazu haben wir als tuuwi schon damals etwas in einem Statement gesagt. Dieser kritische Kommentar möchte sich vom besetzten Audimax entfernen und Entwicklungen dieses aufwühlenden Sommers (in einem aufwühlenden Jahr 2020) sowohl in Dresden, als auch global beschäftigen. Er gibt nicht den Konsens der gesamten tuuwi-Gruppierung wider. 

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Kleine Urlaubslektüre für die Sommerpause: Ökotopia

Von Luisa Zenker

Autofreie Innenstädte, eine Wirtschaft im Kreislauf – ohne Wachstum – , klimaneutral erzeugte Energie, eine sozialgerechte Gesellschaft mit geringen Einkommensunterschieden und hohen Teilhabemöglichkeiten – was heutzutage viele soziale Bewegungen umtreibt, sind eigentlich keine neuen Gedanken. Schon 1975 veröffentlichte Ernest Callenbach eine literarische Utopie, in welcher verschiedene alternative Lebensmodelle versammelt. Ökotopia heißt das kleine Buch – nach den beiden griechischen Wörtern Oikos (=Zuhause) und Topos (=Ort) benannt. Ernest Callenbach versucht so einen Ort zu beschreiben, wo sich vielleicht viele von uns tatsächlich zuhause fühlen könnten. Der Autor, zu der Zeit ein unbekannter Literaturwissenschaftler, trug mit seinem Buch maßgeblich zur Entstehung und Ausbreitung der Umweltbewegung bei. Selbst Steve Jobs bezeichnete Ökotopia als eine Bibel seiner Generation. Weiterlesen Kleine Urlaubslektüre für die Sommerpause: Ökotopia