Umweltschutz und Rassismus – warum unser Augenmerk dem Kampf gegen Diskriminierung gelten muss

Die erste Black-Lives-Matter-Demonstration in Dresden am 6. Juni
24. Mai 2019. Ein Global Strike der Schülerbewegung Fridays For Future findet statt. Der türkischstämmige deutsche Rapper Chefket wirft der Berliner Sektion Rassimus vor, nennt sie „White Days for Future“. Sie hatten ihn für die Demo in Berlin als musikalische Unterstützung zunächst ein- doch dann wieder ausgeladen, mit Verweis auf vergangene Kollaborationen mit dem sexistischen und gewaltverherrlichenden Rapper Xatar. Chefket sieht das anders. Er löst in den sozialen Medien eine Debatte aus, wie weiß Fridays For Future tatsächlich sei. Fridays For Future verschwindet so oder so das ganze Jahr nicht aus den Medien, die Bewegungsgründerin Greta Thunberg wird vom Time Magazine zur Person Of The Year gewählt.
25. Mai 2020. Ein Jahr und ein Tag danach: Die Coronakrise bewegt die ganze Welt. Der normale Alltag wurde gerade im März und April in vielen Ländern völlig eingefroren. Demonstrationen wurden aufgrund ihres Potenzials, das Virus unter großen Menschenmengen zu verbreiten, untersagt.  Mittlerweile hat man das Virus weitestgehend unter Kontrolle. Um die Bewegung Fridays For Future ist es in den letzten Monaten ruhig geworden, der Fokus lag nachvollziehbarerweise auf anderen Dingen. An diesem  Tag in Mai stirbt ein 46-jähriger Afroamerikaner namens George Perry Floyd auf einer Straße in Downtown Minnesota. Er wurde Opfer einer völlig unverhältnismäßigen, gewaltsamen Festnahme durch vier weiße Polizisten. In den folgenden Tagen und Wochen werden große Menschenmengen in den Städten wieder laut. Nicht für den Planeten, sondern für das alte Problem Rassismus gehen die Leute wieder auf die Straße.
 
 
Diskriminierung – eine (leider) alte Geschichte
 
Die Ermordung George Floyds vor gut einem Monat ist ein weiterer von etlichen ähnlichen Schandtaten, die in den letzten Jahren die Vereinigten Staaten erschüttert haben. Und trotz der perfiden, menschenverachtenden Vorgänge, spielt sich danach immer vieles ähnlich ernüchternd ab: Aufruhr, Demonstrationen, Politiker*innen halten Pressekonferenzen. Alte weiße Männer mit viel Macht bedauern den tragischen Tod und bekundigen ihr Beileid, oftmals die gesamtgesellschaftliche Ungerechtigkeit und dessen Relevanz völlig ignorierend. Progressive Politiker*innen, insbesondere jene, die selbst diskriminierten Minderheiten angehören, seien sie schwarz, Latinos oder Frauen, sitzen zwar mittlerweile in den Abgeordnetenhäusern – oder gelegentlich sogar im Weißen Haus – aber sind noch immer viel zu wenige und schwächer als konservative Parteien, Lobbyverbände und vor allem – eine priviligierte Oberschicht, die in Teilen bösartig und rassistisch ist, in anderen großen Teilen weniger menschenfeindlich, aber dennoch gleichgültig, bequem und unwissend um die eigene Komfortzone. Erstens werden änderungswillige Politiker*innen keine Gesetzesentwürfe einbringen und durchsetzen können, die der Bekämpfung von Diskriminierung eine rechtliche Grundlage gibt. Zweitens und viel relevanter: Der Grund für Ersteres liegt in festgefahrenen Strukturen, zu deren Änderung es nicht eines Gesetzes sondern gesellschaftlicher Transformationen bedarf. 
 
Der Fall Floyd in diesen Zeiten
 
Was ist beim Fall Floyd anders als sonst? Die Aufruhr ist besonders groß. In der gesamten westlichen Welt, in vielen Ländern wie Deutschland, in denen Waffengewalt eine vergleichsweise untergeordnete Rolle spielt, solidarisieren sich Menschen mit den US-Amerikanern. Die Corona-Krise und ihre Folgen, haben sicherlich dazu beigetragen. Viele von uns haben sich Monate mehr oder weniger ins Privatleben zurückgezogen und haben öffentliche politische Debatten gemieden, obwohl viele Geschehnisse es wert gewesen wären, beispielsweise die ungeklärte Situation in Hongkong. An dieser Stelle trotzdem ein großes Dankeschön an alle, die im März und April, in Form von Demotranspis vom Balkon hängend über Vereinsplena in virtueller Form bis hin zu Social-Media-Aktionen weiterhin am Ball geblieben sind. Diese Formen politischen Engagements sind nicht zu vernachlässigen und dennoch – die Durchschlagkraft und Wirkung einer Straßendemonstration samt medialer Aufmerksamtkeit können diese Formen nicht erreichen. Die vielen BLM-Demos waren ein Aufschrei, eine Befreiung politisch aktiver Menschen. Das hat eine neue Welle ins Rollen gebracht. 
 
Warum schreibt die Tuuwi über George Floyd?
 
Ein weiteres Mal wurde einem unschuldigen Menschen das Leben genommen, ein weiteres Mal sitze ich bequem mit meinem Kaffee gerade hier vor meiner Tastatur und weiß, dass dies nicht das letzte Mal gewesen wird.  
Und dass ich hier mit meinem Kaffee sitze bereitet mir ein schlechtes Gewissen. Dadurch dass ich hier als als weißer, männlicher, in Deutschland geborener angehender Akademiker nie Diskriminierungen ausgesetzt war, kann ich die Erniedrigung nicht wirklich begreifen. Warum soll ausgerechnet ICH einen Text über Rassismus schreiben? Kurz nach dem Tod George Floyds saßen eine Freundin und ich auf einer Wiese und wir sprachen darüber, dass viele Facebook-Freunde ihr Profilbild auf Schwarz ändern. Ein Zeichen der Solidarisierung, welches nicht neu ist, schon zuvor bei schrecklichen Attentaten oder politisch-gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, von der sozialen Plattform angeboten wird. Solidarisierung und Kondulenz sind wichtig und dennoch: Um eine Transformation einzuleiten, Ursachen- statt Symptonbekämpfung zu betreiben, um das erneute Geschehen von ungerechter Gewalt zu vermeiden muss jeder anfangen, in seinem eigenen soziokulturellen Umfeld sensibler zu werden und sich zu fragen: Was läuft falsch? Was machen wir falsch? Was können wir tun? Darum halten wir es als Umweltgruppe für sehr wichtig, einen näheren Blick auf das Thema Rassismus zu werfen. Spätestens seitdem Fridays for Future öffentlich Rassismus vorgeworfen wird, stellt sich die Frage, inwiefern Missverständisse zwischen verschiedenen Interessengruppen herrschen, oder die Klima- und Umweltbewegung tatsächlich ein Rassismusproblem hat.
 
Grüne Nachlässigkeit
 
Dabei soll hier auf die anfangs erwähnte Kontroverse um Chefket und FFF gar nicht näher eingegangen werden, denn in dieser Situation blieb vieles unklar und man kann nur mutmaßen. Viel interessanter ist jedoch ein Blick auf Aktivist*innen, die selbst BIPOCs sind – das ist die häufig verwendete Bezeichnung für Schwarze, Indigene und People of Color. Die Wissenschaftlerin und Postwachstumsaktivistin Tonny Nawshin wurde beispielsweise als einzige aller anwesenden Aktivist*innen bei der Datteln-4-Demo am 20. März im Nachhinein auf keine der von Greenpeace auf Twitter geposteten Fotos von der Aktion abgebildet, einige Fotos mit ihrem Gesicht wurden zugeschnitten – gleichzeitig war sie die einzige nichtweiße Teilnehmerin der Veranstaltung. Die Social-Media-Verantwortlichen haben dies vermutlich nicht einmal mutwillig getan. Es ist ihnen womöglich gar nicht aufgefallen. Doch in der Nachlässigkeit liegt die Wurzel des Problems. Priviligierte Menschen sind sich ihrer Privilegien oft nicht bewusst. Und das trifft auch auf diejenigen von uns zu, die sich selbst als sehr progressiv und reflektiert bezeichnen würden. Das Ergebnis sind oft nur kleine dezente Vorkommnisse, wie Tonny Nawshins Erfahrung, die jedoch immer und immer wieder vor Unsensibilität strotzen und dazu führen dass sich BIPOCs verletzt und diskriminiert fühlen. Im Zuge der Black-Lives-Matter-Proteste likte Fridays for Future einen Kommentar, der die Darmstädter Ortsgruppe dafür kritisierte, sich gegen Polizeigewalt und strukturellen Rassismus ausgesprochen zu haben. Was ist da los?
Die Klimabewegung, die mehrheitlich weiß ist, lebt oftmals in einer Blase in der sie – völlig berechtigt – eine alles umfassende, von den Artgenossen verursachte, ungemütliche Zukunft zu verhindern versucht. Außerhalb der Blase befindet sich eine Menge gesellschaftlicher Konfliktherde, von der die Mehrheit der Klimabewegungsanhänger nicht betroffen ist. Dennoch müssen diese dringend mit in Klimaprotest einbezogen werden. Sicherlich – Klimagerechtigkeit ist ein Thema der Umweltbewegung, welches gerade sein Augenmerk auf die Benachteiligten, auf die Schwachen und Diskriminierten legt, sei es die Betroffenheit von Menschen, die im globalen Süden leben oder auch Frauen. Dennoch bewegt man sich als Klima- und Umweltschützer*in schnell auf einer abstrakten Ebene und hat nur das große Damoklesschwert Klimawandel vor Augen, vergisst die Probleme vor der eigenen Haustür. Der junge, in Deutschland lebende  Mensch, der einer Minderheit angehört,  fragt sich ob es nicht dringendere Probleme gibt, wenn er sieht, dass wir uns um Bio-Essen in der Mensa bemühen, während sein Kumpel am Hauptbahnhof in Köln als einziger Schwarzer angesprochen wird, wo 20 Weiße ohne Mundschutz nicht angesprochen werden. Als Tuuwi stellen wir oft fest, dass wir uns in unserer Umweltblase befinden. Dies gewinnt an völlig neuer Bedeutung, wenn man betrachtet, dass viele junge Menschen sich nicht mit der Umweltbewegung identifizieren können, weil sie in Gewalt, Krieg, Mord, der Verletzung von Menschrechten viel dringendere Probleme sehen und sich fragen inwiefern Umweltschützer*innen weltfremd sind. Die Wahrheit ist, dass uns diese Probleme alle bewusst sind, wir aber noch sensibler, offener und aufmerksamer werden müssen. 
 
Die Ermordung George Floyds hat uns wieder einmal wachgerüttelt und gezeigt, dass der Kampf gegen Rassismus ebenso relevant ist wie gegen biologische Viren oder atmosphärische Veränderungen. Doch nicht erst seit diesem Vorfall im Mai ist klar, dass die progressiven Umwelt- und Klimaschützer*innen gerade in diesem Bereich schon das ein oder andere Fettnäpfchen mitgenommen haben. Im Kontext der Klimagerechtigkeit ist es an der Zeit, dass wir weiter unser antirassistisches Profil stärken. 

Werdet wach! – wie Europa Hilfesuchende verkommen lässt.

In Vergessenheit geraten, als Normalität abgestempelt, die Augen verschlossen, Unwissenheit und Willenslosigkeit – der Umgang der Menschheit, speziell der Regierungen mit den Hilfssuchenden auf der Flucht und aktuell hauptsächlich den Geflüchteten in Griechenland ist eine humanitäre Katastrophe.

Die „Lebensumstände“ in den Flüchtlingscamps sind inakzeptabel. In den insgesamt fünf Aufnahmezentren hoffen aktuell um die 40.000 Menschen auf eine Zukunft. Diese Zentren sind gerade einmal für 6.000 Personen ausgelegt. Mehr als ein Drittel von den Geflüchteten sind Kinder.
Eines der Camps ist in Moria auf Lesbos. Dort verkommen zurzeit etwa 20.000 Menschen auch deshalb, weil das Lager nur für 2.800 Menschen ausgelegt ist. Der Alltag vor Ort ist von allgegenwärtiger Gewalt, selbstgebauten „Hütten“ aus Plastikplanen und Holz, unzureichender Lebensmittelversorgung, Wasser und Hygieneeinrichtungen geprägt. Auf der Suche nach Hilfe und einem nicht von Angst geprägtem Leben landen sie hier, an einem Ort der, wenn auch aus einem anderen Grund, keine wirkliche Verbesserung der Lebensqualität bietet [1].

Weiterlesen Werdet wach! – wie Europa Hilfesuchende verkommen lässt.

Zeit für Insektenhotels

Um es gleich am Anfang zu sagen, die Idee für diesen Artikel begann ganz spontan nach dem Ansatz Schlag-die-Zeit-zu-Hause-tot-ehe-du-tot-umfällst. Also kurzerhand vertrockneten japanischen Staudenknöterich geerntet, dieser wächst z.B. auf der Wiese hinter dem Informatikbau auf dem Campus, mit dem Taschenmesser in einzelne Röhrchen geteilt und dann noch mit Sandpapier entgratet – fertig. Aber halt, schon nach fünfminütiger Internetrecherche merkte ich: Mein Insektenhotel ist falsch gebaut!
Dazu gleich mehr…

Weiterlesen Zeit für Insektenhotels

SECHS TIPPS FÜR EINEN NACHHALTIGEN START INS NEUE SEMESTER

Grün sein ist Trend, zumindest auf den Straßen. Die FridaysforFuture-Bewegung hat in den letzten Monaten Millionen mobilisiert und politisiert. Das ist wunderbar, unverkennbar und absolut notwendig in unserer misslichen Lage. Nichtsdestotrotz sollten wir Nachhaltigkeit auch in unseren Alltag mitnehmen, insbesondere weil die Politik nicht der Überzeugung ist, wirkliche Maßnahmen zu ergreifen.

Und ich weiß, oft ist das leichter gesagt, als getan.
Wie oft haben wir uns vorgenommen, alles besser zu machen, wenn wir dann erstmal allein wohnen? Keine Plastikflaschen und schon gar kein Einweg-Kaffeebecher, aber die Plastikflaschen waren doch so viel günstiger und nach vier Doppelstunden muss sich doch mit irgendetwas wach gehalten werden.
Ich kenne diese Gedanken nur allzu gut, aber deshalb sollten wir nicht anfangen stehen zu bleiben. Ganz oft sind es einfach ein bisschen Routine und ein paar gute Tipps.
Und zumindest für Letzteres kann ich Abhilfe schaffen und da wir Listen ja alle so lieben nun sechs Dinge, um euren Alltag nachhaltiger, günstiger und befriedigender zu gestalten! 🙂

1. Wer baut den höchsten Papierturm?
Fangen wir mit etwas Einfachen an, denn es geht darum schlichtweg etwas nicht zu machen. Das kann der Prototyp eines Studierenden noch eigentlich ganz gut, oder? Es geht ums Ausdrucken: Ständig müssen irgendwelche Formulare, Skripte oder sonstiger Papierkram schwarz auf weiß vor uns liegen. Aber sind wir mal ehrlich, wer liest sich das bitte alles durch?
Stattdessen lässt sich vieles auch digital abhandeln. Und das von Fahrkarten, über Vorlesungsskript, bis zu Stichpunktzetteln eines Referats.
Und sollte das für euch doch nicht funktionieren, dann probiert zumindest mal mehrere Seiten auf ein Blatt Papier zu drucken, insbesondere bei Professor*innen, die ihre Präsentationen vorher zur Verfügung stellen, bietet sich das an.
Denkt auch immer daran, dass ein Blatt zwei Seiten hat, die beide beschrieben bzw. bedruckt werden wollen. Apropos Rückseiten… habt ihr schon mal vom Papierpilz der TUUWI gehört? Dort gibt es kostenlose Blöcke (Stichwort: günstiger) aus einseitig bedruckten Papier, schaut dafür mal in der Stura-Baracke vorm TUUWI-Büro vorbei;)


So der letzte Punkt zum Thema Papier adressiert euren Briefkasten: Braucht ihr die wirklich jede Woche die Samstags-Super-Knüller-Preise? Nein, dann klebt einen kleinen TUUWI-Sticker mit „Bitte keine Werbung“ an euren Briefkasten und spart 30 kg Papier im Jahr. Auch die findet Ihr vorm TUUWI-Büro in der StuRa-Baracke.

2. Der Weg ist das (ökologische) Ziel
Mit der 61 zu fahren, gleicht seitens seines Undurchdringbarkeitsgrades nicht selten einem Club bei Vollbetrieb. Das ist zwar ökologisch sehr sinnvoll, aber sind wir ehrlich, Spaß macht’s nicht. Deshalb mein heißer Tipp: Schnappt euer Fahrrad und probiert es mal damit. Eure Öko-Bilanz steigt weiter in die Höhe und mehr Luft bekommt ihr auch – soviel sei gesagt. Wenn ihr das Ganze erstmal ausprobieren wollt oder euch spontan dazu entschließt, Fahrrad zu fahren, schaut euch mal die nextBike-Räder an. Mit eurem zih-Login, könnt ihr da eine Stunde kostenlos fahren. Sonst gibt es natürlich bei Ebay-Kleinanzeigen und dem Trödelmarkt immer ein paar Zweiräder ziemlich günstig zum Verkauf.
Denkt bei längeren Strecken innerhalb Sachsens immer daran, dass euer Semesterticket für ganz Sachsen gilt und wenn ihr darüber hinaus wollt hat der StuRa ein paar nützliche Tipps parat.

3. Selbstgemacht, leicht gemacht
Macht eure Mama auch immer selbstgemachten Apfelmus und erzählt euer Opa auch jedes Jahr wieder vom eingeweckten Obst, dass er früher aus dem Keller genascht hat? Eins ist klar, Selbstgemachtes rockt und wenn ihr Obst und Gemüse von umliegenden Streuobstwiesen nutzt, geht ihr nicht nur lange Transportwege, sondern auch gegen Lebensmittelverschwendung vor! Aber ist neben der Uni denn wirklich Zeit dafür? Und wo bekomme ich Obst und Gemüse ohne Garten schon her?
Hier mein kleiner Leitfaden:
1. Gläser sammeln…macht euch ein Regal, in das alle leeren Marmeladen-, Gurken- und Apfelmusgläser kommen – das spart Geld für teure Einweck-Gläser.
2. Streuobstwiesen suchen…gerade wenn ihr keinen Garten in der Nähe habt, sind Streuobstwiesen euer bester Freund. Unter diesem Link findet ihr für Dresden gute Anlaufpunkte und gerade lassen sich v. a. Äpfel noch super ernten…und für nächstes Jahr könnt ihr euch vielleicht sogar ein paar Ideen zum Bepflanzen eures Balkons oder Fensterbretts notieren.
3. Google…oder besser Ecosia an und ein gutes Rezept herausgesucht und das nächste Mitbringsel für die Fahrt in die Heimat ist gesichert 
Übrigens solltet ihr kein Obst/Gemüse mehr finden, auch Drogerieprodukte lassen sich aus Natron, Soda, Essig, Kernseife, Zitronensäure und ätherischen Ölen super selbst herstellen und das dank dieser simplen Zutaten ganz ohne Mikroplastik. 🙂

4. So gut wie neu
Die beste Variante, um Geld zu sparen und gleichzeitig ökologisch zu sein, besteht darin, Dinge nicht immer gleich neu zu kaufen. Neben Ebay-Kleinanzeigen oder Kleiderkreisel habt ihr in Dresden auch eine riesige Auswahl an Second-Hand-Läden, Trödelmärkten und Ähnlichen. Klickt euch dafür einfach mal in den nachhaltigen Stadtplan Quergedacht.

5. Das leidige Thema Essen
Dass Fleisch nicht gerade zu einer guten Öko-Bilanz führt und das eine dreifach eingepackte Gurke nicht zum Ende der Plastikverschmutzung beiträgt, brauche ich keinem mehr erzählen. Und dennoch ist es nicht so leicht, eine ökologische Ernährung zu gewährleisten, vor allem, wenn mensch nicht nur für sich allein verantwortlich ist und sein Geld auch noch für andere Dinge als Essen ausgeben will.
Aber ein paar Tipps gebe ich euch trotzdem: Zum einen könnt ihr als Lebensmittelretter*innen auftreten, dafür bietet die Tafel Dresden jeden Montag, Donnerstag und Freitag eine Spätausgabe für Studierende. Und anstatt beim Pizzalieferservice zu bestellen, könnt ihr euch die App „TooGoodToGo“ runterladen und übrig gebliebenes Essen von Restaurants aus eurer Umgebung kostengünstig erstehen. Übrigens gibt es auch in der Uni einen Retter-/Foodsharing-Kühlschrank, dafür müsst ihr nur mal im Wohlzimmer (Stura-Baracke) vorbei schauen:)
Wie wäre es zudem sich jede Woche ein kleine Challenge auszudenken? Die erste Woche im Monat kein Fleisch, die zweite Woche im Monat ein Marktbesuch usw.. Wenn ihr die bunte Vielfalt an Märkten und Bio-Läden in Dresden entdecken wollt, dann klickt euch einfach nochmal in den nachhaltigen Stadtplan Quergedacht, auch die sind hier zu finden.
Solltet ihr doch auf der Suche nach einer größeren Herausforderung sein, dann beschäftigt euch mit der solidarischen Landwirtschaft. Dort bekommt ihr Erzeugnisse tatsächlich direkt vom Bauer um die Ecke, unterstützt die regionale Landwirtschaft und seid Teil eines fast schon alternativen Wirtschaftssystems. Weiterhin bietet Anima e.V. (Dresdner Verein für Tierschutz und Aufklärungsarbeit) mit 1-2-vegan ein kostenloses Buddy-Programm an. Dabei hilft euch euer Buddy beim Umstieg auf eine (überwiegend) pflanzliche Ernährung und zeigt, dass diese gesund, lecker und entgegen der verbreiteten Meinung auch echt günstig sein kann.

6. Informieren
Fast habt ihr es geschafft, doch bevor ihr wegklickt und das ein oder andere in die Tat umsetzt, noch eines: Hört nicht auf euch zu informieren!
Das alles waren nur Schlaglichter und grobe Skizzen, wenn ihr euch mehr mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen wollt, dann lest Bücher, geht zu Vorträgen und tauscht euch aus.

Auch dafür noch zwei Tipps: Zum einen organisieren wir als TUUWI jedes Jahr Umweltringvorlesungen, bei denen ihr von Wissenschaftler*innnen und Akteur*innen aus ganz Deutschland mehr über Klimawandel, die Gesellschaft von morgen und noch vieles mehr erfahrt. Da kann man sich übrigens auch was im Ergänzungsbereich anrechnen lassen;)
Zum anderen gestalte ich selbst einen Workshop, der sich vom 25. – 27.10. nochmal genau und ein bisschen intensiver mit Thema „Nachhaltigkeit im Alltag“ beschäftigt. Aber beeilt euch, die Anmeldefrist ist am 15.10.!

Und jetzt ran an die Arbeit, eine kleine Sache ist bei euch nächste Woche ökologischer als heute, das als kleine Abschlussaufgabe 🙂

 

Text und Bilder von Jessica Flecks

 

Regiert Geld die Welt? Ein geldfreieres Leben ist möglich!

Frei sein. Frei zu tun und zu lassen was man will, zu gehen wohin man will, wie ein Vogel. Frei von allen Zwängen. Wer möchte das nicht? Doch wie schafft man sich ein freies, selbstbestimmtes Leben, das alle Möglichkeiten bereit hält?
Tobi Rosswog, Initiator des Projekt- und Aktionsnetzwerkes living utopia, hat davon eine genaue Vorstellung. Zwei Jahre lang hat er geldfrei gelebt und gibt sein Wissen und seine Erfahrungen seitdem an Unternehmen, Vereine und alle Interessierten weiter. Am 18. Juni war er als Referent unserer Umweltringvorlesung zu Gast in Dresden und gab den Studierenden eine Einführung zum Thema „Geldfreieres Leben. Wege in ein neues Miteinander“.
Nach Tobias Meinung haben wir alle die Möglichkeit, etwas weniger auf das Zahlungsmittel Geld angewiesen zu sein und dadurch freier zu werden. Dafür müssen wir die Grundgedanken unserer Gesellschaft überdenken. Denn geldfreier zu leben bedeutet beispielsweise auch, nicht mehr nach Stundenlohn arbeiten zu gehen, sondern das Arbeitspensum daran anzupassen, was jede*r Einzelne leisten will und kann.

Referent Tobias Rosswog im Gespräch mit den Teilnehmenden der Umweltringvorlesung

Geld durchzieht unser gesamtes Leben- mit Geld zahlen wir unsere Miete, kaufen wir unsere Lebensmittel und genießen wir Kultur. Ohne Geld keine neuen Kleidungsstücke, keine Fahrt mit dem Bus und kein Internet auf dem Handy. Spätestens seit der Entwicklung des Kapitalismus im Italien des 14. Jahrhunderts ist es zu einem essentiellen Bestandteil der meisten Gesellschaften auf diesem Planeten aufgestiegen, unterwirft uns seinen Zwängen, schenkt uns aber auch Freiheit.
Wer viel Geld besitzt hat ein unbesorgtes Leben und ihr oder ihm steht alles offen, oder? Das ist leider nur eine scheinbare Freiheit. Denn aus dem Privileg des Geldbesitzes wächst Verantwortung. Mit starker Finanzkraft kann in dieser Welt viel bewegt werden- zum Guten und Schlechten. Nur leider kommen die allermeisten wohlhabenden Menschen dieser Forderung nicht nach. Das meiste Geld fließt noch immer in Wirtschaftswachstum und dieses hat oft sehr umweltschädliche Gründe, z.B. Kriege und hohen und unreflektierten Konsum.

Wie extrem sich die Verhältnisse zwischen Besitz und Nicht-Besitz gestalten, demonstriert Tobi an diesem Beispiel: Die acht reichsten Männer der Welt besitzen so viel Geld wie 3,5 Milliarden Menschen. Das entspricht der Hälft der Erdbevölkerung. Die Ursache hierfür und das Hauptproblem des Geldes sieht unser Referent in der im Geld implementierten Tauschlogik: eine Leistung fordert immer eine gleichwertige Gegenleistung. Wer diese nicht erbringen kann, wird vom System ausgeschlossen. Und so verursacht das Geldsystem nicht nur eine ökologische, sondern auch eine soziale Krise.

Eine Empfehlung von Tobias Rosswog für alle, die sich mal aus einem anderen Blickwinkel mit Arbeit auseinandernsetzen wollen: das Buch “After Work. Radikale Ideen für eine Gesellschaft jenseits der Arbeit.”

Einen Ansatz um diese Krisen zu überwinden beschreibt Friederike Habermann in ihrem Buch “Ecommony”. Grundlegend hierfür ist, weniger Eigentum und mehr Besitz zu schaffen. Eigentum bezeichnet die rechtliche Beziehung zu etwas. Besitz hingegen beschreibt die soziale Beziehung. Wenn ich einen Stuhl besitze, kann ich auf ihm sitzen. Gehe ich weg kann jemand anderes kommen, den Stuhl benutzen und ihn so besitzen. Als Eigentümer/in des Stuhls kann man über den Stuhl bestimmen, verbieten darauf zu sitzen oder es nur gegen Gebühr erlauben. Mehr Besitz bedeutet also gemeinsame Güter- Commons, für die niemand bezahlen muss, weil sie allen gehören. Auf diese Weise herrscht mehr soziale Gerechtigkeit durch den gleichwertigen Zugang zu Ressourcen und Konsumgüter müssen seltener hergestellt werden, weil mehre Gruppen sich deren Nutzung teilen. Über sinnvolle Kommunikation können zusätzlich Arrangements geschlossen werden um, wenn nötig, längerfristigen Besitz zu regeln. Also überlegt beim nächsten Mal zweimal, ob ihr euch die Bohrmaschine, die ihr für 3 Löcher im Jahr braucht, wirklich selbst kauft. Sicher teilt auch gern jemand aus der Nachbarschaft die ihre/seine mit euch.

Noch zwei Mal habt ihr die Gelegenheit, euch zu interessanten Themen der Wirtschaftsethik und Wirtschaftsalternativen zu informieren. Wenn ihr Lust habt, schaut hier vorbei:
URV Kapital is muss!? Wirtschaftsethik und -alternativen
Mittwochs, 16:40-18:10 Uhr
POT 112

————————–

Bild und Text: Theresa Zakrzewski