12. und 13. Mai 2017
7. Dresdner Hochschultage für Ökosoziale Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit: „Wirtschaftsethik und Wirtschaftspraxis“

Wir wollen uns gemeinsam mit Euch der Frage widmen, unser Wirtschaftssystem zukunftsfähig und nachhaltig gestalten kann. Denn so gar nicht zukunftsfähig ist Einiges: Gewinne mit dem Export von Waffen, Investitionen in das Verbrennen fossiler Energieträger, die strukturelle Benachteiligung von ArbeiterInnen – an vielen Stellen gibt es ethische Konflikte zwischen Wirtschaftspraktiken und einer gerechten bzw. nachhaltigen Gestaltung der Welt.

In einer Abendveranstaltung am Freitag und mehreren Workshops am Samstag setzen wir uns damit auseinander, woher diese Konflikte kommen, wer beteiligt ist und welche Möglichkeiten der Veränderung es gibt. Für die Teilnahme an den Hochschultagen könnt Ihr 1 CP erhalten. Infos und Materialien zur Vorbereitung werden im OPAL zur Verfügung gestellt.

>> Hier geht´s zur Einschreibung im OPAL.<<

Unsere Gesellschaft und Wirtschaft gestalten wir alle mit! Wie das ökologisch und sozial geht, gilt es bei den Hochschultagen herauszufinden. Diese bundesweite Veranstaltungsreihe soll Studierende und die interessierte Öffentlichkeit mit aktuellen Konzepten für eine ökologische und soziale Reform der Gesellschaft vertraut machen. Es werden Fragen zum gesellschaftlichen Wandel und nachhaltigen Umgang mit Ressourcen diskutiert. Dazu gibt es Gelegenheit sich selbst aktiv einzubringen und dabei auch 1 CP zu erwerben. Auch in Dresden organisiert die tuuwi seit 2010 Hochschultage.

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Freitag, 18:00 Uhr, HSZ 401
Eröffnungsvortrag von Dr. Eitel von Maur:
Eskapismus, Populismus, Wut: Lässt sich „das gute Leben“ (nicht) verstehen?“

Ursprünglich war die Ökonomik ein Teilgebiet der Ethik. Adam Smith ging es um „das gute Leben“. Heute wird das alles immer wieder ganz anders verstanden. Ethik sei weltfremde Theorie, ideologische Verstörung von Wirtschaft und Wissenschaft sogar. Mit Ökonomik in jedem Fall unvereinbar. Wie kommt es, dass diese zynischen Verkehrungen der eigentlichen Ziele kollektiv tief verinnerlicht sind? Wie kommt es, dass ausgerechnet die besonders Benachteiligten gegen eine gerechte, demokratische, ökosoziale Gesellschaft auf die Straße gehen und für Populisten votieren, die alle erkenntnistheoretischen und ethischen Geltungsansprüche zurückweisen? Die Antwort liegt nahe: Sie glauben nicht (mehr) daran. Materieller Wohlstand reicht Menschen nicht. Weite Teile fühlen sich bedroht, entfremdet, ohnmächtig, „verdinglicht“, ohne jede Resonanz. Sie „verstehen die Welt nicht mehr“.
Menschen müssen aber „verstehen“, warum sie sich an einer Gesellschaft beteiligen sollten. Es ist unschwer zu begründen, warum eine lebensdienliche Gesellschaft nur dann möglich ist, wenn sich ethische und erkenntnistheoretische Geltungsansprüche im Diskurs durchsetzen können, d.h. wenn gute Gründe zu Ursachen von Handlungen werden. Dafür scheint eine nachhaltige, ökosoziale, lebensdienliche Marktwirtschaft der geeignetste Rahmen zu sein. Doch deren Ausgestaltung ist alles andere als trivial. Sie lässt sich nicht alleine von einigen wenigen Experten entwickeln, sondern braucht die kreative Kraft und den Willen einer ganzen (Welt‑)Gesellschaft. Wir brauchen mithin nicht „die eine“, schlichte Lösung, die „auf einen Bierdeckel passt“, sondern immer neue Lösungen für zahllose Problemstellungen, die sich zu einem kollektiven Ganzen verbinden. Die Voraussetzung dafür ist ein Verstehensprozess – zu dem der Vortrag einen Beitrag leistet.

+ Diskussion
+ Infostände
+ Schnittchen 🙂
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Am Samstag finden jeweils zwei Workshops parallel statt.
Um 1 CP für die Teilnahme an den Hochschultagen zu erhalten müsst Ihr an einem Workshop A (vormittags) und einem Workshop B (nachmittags) teilnehmen.

Samstag, 9:45 Uhr, HSZ 101 Begrüßung und Einschreibung in Workshops

Am Samstag finden jeweils zwei Workshops parallel statt.
Um 1 CP für die Teilnahme an den Hochschultagen zu erhalten müsst Ihr an einem Workshop A (vormittags) und einem Workshop B (nachmittags) teilnehmen.

Workshop A1 (Samstag, 13.5.17 von 10.00 – 12:30 Uhr)
„Transformations-Praktiken zu einer wirtschaftsethischen Gesellschaft des `guten Lebens` „
mit Dr. Eitel von Maur

Viele sind gute Analytiker und im Grunde ist ihnen klar, was vernunft-ethisch geboten ist. Doch dieses Wissen führt zu keinen entsprechend veränderten Praktiken. Wie Kranke, die nicht zum Arzt gehen, weil sie Angst vor „Wahrheit“ und Veränderung haben. Sowird aus einer Kleinigkeit ein tödliches Geschwür. Deshalb gibt eserhebliche Zweifel, ob überhaupt ein Weg von der Erkenntnis zur Handlung führt. „Man müsste mal!“ Im Workshop geht es um konkrete Praktiken, die diese Lücke schließen, indem sie zu einer vernunft-ethisch reflektierten Veränderung/Transformation beitragen. Dabei geht es um das Erproben unterschiedlicher Formen zukunftsfähigen, „guten Lebens“. Wissenschaftlich und praktisch, nicht utopistisch-esoterisch.

Workshop A2 (Samstag, 13.5.17 von 10.00 – 12:30 Uhr)
„Fließendes Geld für eine gerechtere Welt!“
mit Steffen Henke

Was ist Geld? Wie gelangt es in den Umlauf? Wie bleibt es im Umlauf? Welche Wirkungen ergeben sich? Brauchen wir neue Wege? Wenn ja, warum und wie sehen sie aus? Auf diese und viele weitere Fragen wird Steffen Henke, Gesellschafter-Geschäftsführer der gemeinnützigenGesellschaft „Neues Geld“ eingehen. Die Inhalte werden gemeinsam erarbeitet, so das jeder Gast den Stoff gut nachvollziehen kann. Steffen Henke freut sich auf eine spannende Runde mit bestimmt interessanten Fragen.

12:30 – 13:30 Uhr Mittagspause
Ein warmes Mittagessen steht für Euch bereit.

Workshop B1  – Samstag, 13.5.17 von 13:30 – 16:00 Uhr
„Wirtschaftsethik – Warum die Nachhaltigkeit die Ethik braucht und was die Psychologie damit zu tun hat“
mit Loreen Wachsmut

Die jüngsten Korruptionsskandale in der Wirtschaft sensibilisieren die Menschen für Themen der unternehmerischen und gesellschaftlichen Verantwortung – so könnte man meinen. Dem gegenüber stehen aber die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Studie von Ernst&Young, in der dreiviertel (!) der weltweit befragten jungen Manager und Managerinnen angaben, dass unethisches Verhalten gerechtfertigt sei, um ein Unternehmen über einen Wirtschaftsabschwung zu retten. Die Ergebnisse zeigen: es ist nicht nur mit medialer Aufmerksamkeit und Aufklärung getan. Unethische und nicht-nachhaltige Verhaltensweisen sind oft das Resultat bestehender Gesellschaftsstrukturen und psychologischer Barrieren. So bestimmen im Finanzmarktsektor u.a. soziale Normen das Handeln im Markt und schaffen eine Zockermentalität. Was daraus entstehen kann, konnten wir 2007 mit der Finanzmarktkrise sehen. Um einen Wandel in der Wirtschaft im Sinne der nachhaltigen Entwicklung zu bezwecken, muss daher nicht nur ein breiter ethischer Diskurs darüber stattfinden, warum und wie wir uns verantwortungsvoll verhalten sollten, sondern auch, welche psychologischen Barrieren dem im Weg stehen. Denn die Probleme der Wirtschaftsethik und nachhaltigen Entwicklung resultieren oftmals aus Dilemmasituationen, die kaum durch eine einfache Antwort gelöst werden können. Der Workshop soll daher anhand praktischer Beispiele und in Diskussionen für die Schwierigkeiten beim Umgang mit Dilemmata sensibilisieren, ein Grundverständnis für das eigene Handeln schaffen und somit einen kritischen Diskurs über nötige Entwicklungen ermöglichen.

Workshop B2 (Samstag, 13.5.17 von 13:30 – 16:00 Uhr)
„Wir erfinden unsere Zukunft! — Kann Innovation das Paradigmanachhaltigen Wirtschaftens sein?“
mit Paul Stadelhofer, Nadine Reinhardt und Dr. Kay-Uwe Michel

Welche Alternativen bietet uns die Zukunft? Wie man es auch dreht und  wendet: Sie stellt zentrale Anforderungen an unser heutiges Leben und Wirtschaften, die eine umfangreiche Transformation verlangen.(Intergovernmental Panel on Climate Change-IPCC, 2014) Was genau aber sind die Probleme in gängigen Szenarien und wie können wir darauf reagieren? Ein fast klassisches Beispiel ist die Kritik am Automobil: Eine Effizienzsteigerung im Transportwesen um 100 Prozent könnte ein Siebtel der erforderlichen Emmissions-Ersparnisse bis ins Jahr 2050 bedeuten.(Socolow & Pacala, 2004)⁠ Sind beispielsweise effizientere Autos oder Elektroautos eine tragfähige Alternative oder doch Carsharing-Modelle und Mitfahr-Portale? Auf der einen Seite könnte die Industrie also den Verbrauch von Kraftstoffen senken, auf der anderen Seite könnten aber neue Modelle zu einer sozialen, ökonomischen und nachhaltigen Entwicklung führen. Wie ein Paradigmenwechsel unsere Denkkollektive erschüttert und die technisch-ökonomische Entwicklung transformiert, was wirkliche Innovationen ausmacht und welche normativen Ansprüche an die Wirtschaft daraus resultieren, soll in dem Workshop diskutiert und reflektiert werden.

16:00 – 16:30 Uhr Kaffeepause

16:30 – 18:30 Uhr Abschlussdiskussion im Fishbowl-Format

Kontakt: hochschultage@tuuwi.de

Hier zur Facebook Veranstaltung.

 

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