Experiment: “Eine Woche ohne Abfall” – Tag 7: Vom Reparieren

Was in dieser Woche hier vielleicht noch etwas zu kurz gekommen ist, ist die Müllvermeidung durch Pflege und Reparatur von Gegenständen.

Eben gerade habe ich einen Knopf angenäht. War echt schön. Mir ist aufgefallen, dass meine handwerklichen Fähigkeiten dazu zumindest gereicht haben – Die Qualität genügte allerdings meinem Mitbewohner, an dessen Mantel ich den Knopf angenäht habe noch nicht. Noch für meine Eltern ist es völlig normal, Socken zu stopfen und Kleidungsstücke zu nähen. (Von Großeltern ganz zu schweigen) Ich tu das kaum. Ich trage meine Kleidung zwar auch lange, aber wenn sie durch ist, ist sie durch. Eher renne ich dann mal mit Löchern rum. Das sorgt dann natürlich auch eher dafür, dass die Sachen schneller weiter kaputt gehen. Einerseits ist das vielleicht eine Jugendlich-Studentische Ach-ist-mir-egal-wie-ich-rumrenne-Haltung, andererseits besteht für mich auch nicht die zwingende Notwendigkeit, wie es sie früher noch gab: Auf Kleidertauschpartys gibt es genug Kleidungsstücke in meiner Größe, die ich nehmen kann, wenn die alten Sachen zu kaputt sind. Socken sind auch im Naturwarenladen nicht extrem teuer und außerdem ein gängiges Geschenk das ich zu diversen Anlässen bekomme (und ja auch brauchen kann)

Mein Mitbewohner beim Nähen

Reparieren braucht Zeit.

Und nicht alles lässt sich gut reparieren. Bei Schuhen zum Beispiel gibt es da krasse Unterschiede, oder Handys, aber auch in anderen Bereichen wird das der Fall sein.

Ich würde an dieser Stelle gern Menschen (und darunter auch mich) motivieren, mehr Dinge zu reparieren. Ich würde gern sagen, dass das bedeutet, die Dinge sowie deren Hersteller wert zu schätzen, und dass Wertschätzung wichtig ist. Was ich aber nur sagen kann ist, dass ich schon mehrmals beim Reparieren von Dingen (nicht nur in dieser Woche) eher demotiviert als motiviert daraus hervor gegangen bin. Ich habe keine Ahnung, ob das anderen Menschen auch so geht, weil ich gerade das Gefühl habe, nur von unglaublich talentierten, geduldigen Bastler*innen umgeben zu sein. Vielleicht habe ich morgen auch übel Bock darauf mich zur Fahrradselbsthilfewerkstadt Rad.i.O. , zum Repaircafé Dresden , zum Nähwerk  oder allgemein zum Rosenwerk, oder zum Slub-Makerspace  auf zu machen oder mich zuhause in die Tiefen der Tutorials auf Youtube zu stürzen und dort an allen meinen quietschenden Fahrradteilen, löchrigen Textilien oder gesprungenen Keramikteilen herumzubasteln, bis sie schöner sind als je zuvor.

Aber auch falls das nicht der Fall sein wird, werde ich mich nicht entmutigen lassen. Auch ungern kann ich ja Dinge reparieren, und mir dabei zum Beispiel Musik die ich mag an machen oder für jedes reparierte Teil ein Stück (irgendwo lose gekaufte) Schokolade gönnen. Meine geduldig und talentiert wirkende Umwelt kann ich ja falls nötig auch um Hilfe bitten.

Was mir – so bastel-mäßig – wirklich Spaß macht ist es übrigens, Papierpilz-Blöcke zu binden. Auch Abfall-Vermeidung. Zum Glück leben wir Menschen im Sozialverband, und können uns so prinzipiell Arbeit teilen.

Ein Gedanke zu “Experiment: “Eine Woche ohne Abfall” – Tag 7: Vom Reparieren

  1. Abfallvermeidung beginnt im Kopf. Das ist mein Fazit dieser Woche. Dabei soll es jedoch nicht bleiben. Etwas in die Tat umzusetzen wäre auch noch schön.
    Ich habe die ganze Woche Deinen Blog verfolgt, mit manchem konnte ich mitgehen, mit anderem nicht. Ich habe die Widersprüchlichkeiten und Schwierigkeiten registriert, die mit dem Thema verbunden sind. Der Blog hat mich inspiriert. Denn ich habe unweigerlich angefangen, mein eigenes Abfallverhalten zu betrachten und bin dabei auf so einige Dinge gestoßen, die ich plötzlich hinterfragte. Und ich entdeckte dabei Potenziale, die mir vorher nicht bewusst oder die in Vergessenheit geraten waren.
    Nicht dass das Thema Abfallvermeidung für mich fremd gewesen wäre. Ich achte schon auf bewusstes Einkaufen, Vermeidung von unnötigen Einkäufen, respektvolle Verwertung des Gekauften und möglichst lange Benutzung von “Abfall”. Und dennoch habe ich festgestellt, dass ich mit meinen 49 Jahren auch Routinen habe, die mir einerseits den Alltag erleichtern und über die ich mir andererseits kaum noch Gedanken mache.
    Dein Blog hat bewirkt, dass ich über manche dieser Routine gestolpert bin und gemerkt habe: “Hoppla, hier ist ja doch noch Entwicklungspotenzial”. Damit es nun aber nicht bei den “im Kopf beginnenden Veränderungen” bleibt, schreibe ich mit diesem Kommentar die Gedanken zunächst auf. Dann stehen sie mir greifbarer zur Verfügung und ich kann mit Veränderungen beginnen. Ganz konkret prüfen und gegebenenfalls umstellen werde ich z.B.: von Beuteltee auf losen Tee; von Duschbädern auf Seifen; von plastikverpacktem Obst (das mir durchaus manchmal unterkommt) auf loses Obst (ich hoffe, dass das auch gleichzeitig eher das regionale Obst ist); möglichst Mehrweggeschirr bei mir führen; noch mehr Beutel mitnehmen…
    Ich gebe dir recht, es ist in einer Welt, in der ständig Abfall produziert wird, weil alles so schnell und effektiv ablaufen soll, schwierig, es anders zu machen. Es erfordert Organisation und bewusstes Reagieren in kritischen Momenten. Aber so schwierig ist es auch nicht. Ich würde sagen, es ist eher unbequem. Ich glaube, das Thema ist durchaus schon präsent. Das sieht man auch daran, dass es durchaus Strukturen (Lose-Läden, Recycle-Cafés usw.) gibt, in denen engagierte Menschen tätig sind. Und auch “Otto-Normalverbraucher” steht aus meiner Erfahrung der Abfallvermeidung nicht grundsätzlich negativ gegenüber, ist also durchaus ansprechbar. Und das sind doch gute Voraussetzungen. Dein Blog hat mich sensibilisiert, genauer hinzuschauen, um gute Beispiele der Abfallvermeidung aufzuspüren. Und als Beobachterin habe ich auch die Möglichkeit, gesichtete Leuchttürme der Abfallvermeidung weiterzuempfehlen. Dinge können sich auch durch “Weitersagen” entwickeln und verändern.
    Ich finde darüber hinaus noch wichtig, dass für jeden die Grenzen der Abfallverwertung individuell sind und auch Ausdruck einer erlernten Kultur. Das verdient Respekt. Und jeder kann nur an der Erweiterung seiner eigenen Grenzen arbeiten oder sich gegebenenfalls auch dazu entscheiden, sie bestehen zu lassen. Das liegt zunächst in der freien Entscheidung eines jeden Einzelnen. Jedoch können Veränderungen von individuellem Abfallvermeidungsverhalten durchaus auch dazu führen, dass sich gesellschaftliche Normen ändern und gegebenenfalls auch in Gesetzen verankert werden, die dann auch über den Einzelnen hinaus gültig sind.
    Und jetzt begebe ich mich wieder zurück in meine Welt und schaue mal, wo ich heute anfange mit der Vermeidung von Abfall. Herzlichen Dank für den Blog. Vielleicht kann er ja auch bestehen bleiben, so dass interessierte Menschen von Zeit zu Zeit nachlesen können, welche Beobachtungen und Erfahrungen andere machen. Das wäre sehr gut, denn Abfallvermeidung geht zunächst durch den eigenen Kopf und kann dann anderen mitgeteilt werden und verbreitet sich auf diese Weise.

    Grüße von Katrin

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