Auf dem Weg zur klimafreundlichen Mensa – Vorstellung des tuuwi-Projektes Mensastatistik

Wordcloud aus den Titeln der veganen Gerichte in der Mensa Zeltschlösschen. Die Wörter sind in versch. Größen und Grüntönen über das ganze Bild verteilt.

Im September des vergangenen Jahres haben die Vereinten Nationen im Rahmen ihres Umweltprogrammes (UNEP) das 🔗 Little Book of Green Nudges veröffentlicht. Dabei handelt es sich um eine Handlungsanleitung, die im Wesentlichen Vorschläge zur Verhaltensänderung bei Hochschulangehörigen enthält, um schädliche Umweltauswirkungen zu reduzieren. Diese können meist einfach umgesetzt sowie evaluiert werden und sollen vor allem die Studierenden ansprechen. Die TU Dresden hat sich dieser Initiative bereits angeschlossen und ist damit eine von über 200 Universitäten weltweit, welche die „Green Nudges“ auf dem Campus praktiziert. Offizieller Start war im Januar 2021. Wir sind auf jeden Fall gespannt, was daraus entsteht und wie dies möglicherweise auch die vielen Arbeitsgruppen voranbringt, die sich schon seit vielen Jahren, für einen nachhaltigeren Unialltag engagieren.

Ein Ort des Geschehens, an dem täglich tausende Verhaltens- bzw. Essensentscheidungen auf dem Campus getroffen werden, sind unsere Mensen. Hier kommt die Projektgruppe “Mensastatistik” ins Spiel, welche sich mit den angebotenen Mahlzeiten verschiedener Mensen auf dem Campus befasst. Mittels statistischer Datenauswertung werden die Anteile an omnivoren, vegetarischen und veganen Gerichten ermittelt. Dies bildet die Grundlage, um festzustellen wie ökologisch nachhaltig die Angebote bereits sind und wo noch Verbesserungsbedarf besteht. Das Buch der “Green Nudges” zeigt z.B., dass nachhaltige Gerichte eine höhere Nachfrage erzielen, wenn sie häufiger angeboten und damit verstärkt wahrgenommen werden. 

Projektbeschreibung

Aufgrund des enormen Handlungsbedarfes in Bezug auf Ernährung, wollen wir als Studierende in unseren Mensen einen Wandel hin zu einer regionaleren, saisonaleren und insbesondere fleischloseren Ernährung fördern. Unser Ziel ist es das Ernährungsverhalten in unseren Mensen mithilfe statistischer Methoden zu untersuchen und aufgrund dieser Auswertungen Handlungsempfehlungen für die Mensaleitung als auch in Bezug auf die Sensibilisierung der Studierenden und Angestellten der TU Dresden, bspw. durch Kampagnen, abzuleiten. 

Das Projekt Mensastatistik wurde 2020 von der 🔗 AG Mensa der tuuwi initiiert und hat nun durch das Integrale-Modul „reflekitiert.engagiert. – doing sustainability“ Zuwachs von Studierenden aus der Informatik und den Wirtschaftswissenschaften erhalten.

Wir haben uns dafür in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe fokusierte sich auf die Datenbeschaffung und -auswertung anhand öffentlich bereitgestellter Schnittstellen. Die andere Gruppe trat mit dem Studierendenwerk in Kontakt, um die internen Mensadaten, also vor allem die Nachfragedaten (z.B. Anzahl an verkauften Gerichten) zu erhalten. Abschließend erstellte die Gruppe diesen Blogartikel, in dem unsere Vorgehensweise und Ergebnisse zusammengefasst werden.

Perspektivisch sollen auch mit der Initiative 🔗 CO2-Projekt – Klimafreudliche Mensa CO2-Äquivalente der einzelnen Speisen ermittelt und auf den Bildschirmen in den Mensen neben den Gerichten angezeigt werden, um so auch die Studierenden und Angestellten in der Entscheidungsfindung mit Informationen über die Umweltfreundlichkeit des jeweiligen Essens zu unterstützen. Sowohl CO2-Projekt auch Mensastatistik sind ein fester Teil unserer Mensaforderungen und damit auch im klimapolitischen Forderungskatalog enthalten, der mittlerweile durch die Konferenz sächsischer Studierendenschaften übernommen wurde und somit an allen sächsischen Unis und Hochschulen studentisch legitimiert ist. Dem nicht genug, wird der Katalog sogar über die gute Vernetzung über das netzwerk n deutschlandweit an weiteren Unis diskutiert. Unsere zwei Hauptanliegen sind somit: 

  • Sensibilisierung der Studierenden und Angestellten für eine klimafreundliche Ernährung
  • Zusammenfassung und Darstellung von Daten für Veröffentlichungen und Monitoring

Vorgehensweise und Hilfsmittel

Im ersten Schritt haben wir mit dem frei zugängliche OpenMensa Aplication Programming Interface (API) alle Mensadaten mit der Programmiersprache Python ausgelesen und als Json-Datei gespeichert. Dadurch konnten wir für sämtliche Mensen des Studierendenwerkes die Angebote des zurückliegenden Jahrzehntes erfassen. In folgendem exemplarischen Json-Ausschnitt ist ein Gericht der Mensa Zittau dargestellt. In der Json-Notation erhält jedes Gericht immer die dargestellten Attribute, wie “name”, “category”, usw:

[...]"2019-02-05":[
{       
  "id": 3958931,       
  "name": "Bunte Gemüseplatte mit holländischer Soße, dazu Petersilienkartoffeln",       
  "category": "Angebote",       
  "prices": {         
       "students": 2.1, [...]       
   },       
   "notes": [         
        "vegetarisch"       
   ] 
}, 
[...]

Im zweiten Schritt werden die Daten ebenfalls mit Python ausgewertet und in verschiedenen Diagrammen visualisiert. Von besonderem Interesse bei den Gerichten ist in diesem Zusammenhang das “notes”-Attribut, aus dem abgeleitet wird, ob das Gericht vegan, vegetarisch oder omnivor ist. Zusätzlich werden mit den “prices” die Durchschnittspreise und Standardabweichungen für die jeweiligen Gerichtstypen ermittelt. Um einen zeitlichen Verlauf in den Daten abzubilden, werden die Angebote nach Jahren gruppiert und anschließend die Verteilungen zwischen den verschiedenen Gerichtstypen in Kreisdiagrammen visualisiert. Eine weitere Besonderheit ist die OpenMensa-Notation für ausverkaufte Gerichte. Sobald ein Gericht ausverkauft ist, wird der Preis mit “None” (None-Type) überschrieben. Somit wird durch die OpenMensa API signalisiert, dass ein Gericht nicht mehr angeboten wird. Dies ermöglicht uns auch die Nachfrage nach den Angeboten der verschiedenen Gerichtstypen abzuschätzen. Anmerkungen:

  • Die Analysen werden ausschließlich für die Angebote (“categorie”: “Angebote”) durchgeführt und andere Kategorien wie “Salattheke”, “Pasta”, usw. werden herausgefiltert.
  • Die Gründe für ausverkaufte Gerichte können auch andere Ursachen haben. Zum Beispiel können eine zu kleine Mengenkalkulation oder ein zu großer Besucheranstrom die Gründe sein. Generell ist fraglich, ob alle ausverkauften Gerichte in die OpenMensa API eingetragen werden. Insgesamt dient die Nachfrageanalyse anhand der ausverkauften Gerichte somit eher als Abschätzung.

Weitere Details und den Quellcode dazu findet ihr in unserem 🔗 Coderberg-Repo.

Das Titelbild dieses Blogbeitrages wurde ebenfalls mit Python generiert. Dafür wurden Wörter mit mind. 5 Buchstaben aus den Titeln der veganen Hauptgerichte im Zeltschlösschen von 2015 bis 2020 extrahiert und mit Hilfe der gleichnamigen Python-Bibliothek zu einer “Wordcloud” zusammengefügt. Je größer ein Wort, desto häufiger kam es entsprechend vor.

Projekterfolge und einhergehende Herausforderungen

Anhand der für uns zugänglichen Daten konnten wir Auswertungen zu der Verteilung der Mensagerichte für das Jahr 2020 anhand der Prozentsätze omnivor, vegan und vegetarisch als auch den Prozentsatz der ausverkauften Gerichte für jede Mensa des Studierendenwerks ermitteln. 

Abbildung 1: Prozentualer Anteil der Gerichtstypen vegan, vegetarisch und omnivor für alle Mensen 2020

Abbildung 1 zeigt die prozentuale Verteilung angebotener veganer, vegetarischer und omnivorer Gerichte im Jahr 2020. Über die Hälfte (55,2%) sind dabei omnivore Gerichte, während weniger als ein Viertel der Gerichte 2020 vegan war. Neben den einzelnen Segmenten des Kreisdiagrammes sind der Mittelwert µ und die Standardabweichung σ für die Preise pro Teller in der jeweiligen Kategorie abzulesen. Bei den veganen Gerichten beispielsweise liegt der Mittelwert bei 2,63€ pro Gericht und schwankt um 0,25€, wohingegen der Mittelwert bei den omnivoren bei 2,97€ und somit 0,34€ höher als bei den veganen Gerichten und 0,37€ höher als bei den vegetarischen Gerichten liegt. Die Standardabweichung ist bei den drei Gerichtstypen ähnlich und liegt bei rund 0,30€.

Besonders interessant war für uns der deutliche Unterschied zwischen der Mensa Reichenbachstraße (Abbildung 2) und der Mensa Zeltschlösschen (Abbildung 3) in Bezug auf die verkauften Gerichte. Während im Zeltschlösschen bereits 43,3% der verkauften Gerichte vegan sind, wurden gerade einmal 12,2% vegane Gerichte in der Mensa Reichenbachstraße angeboten. Der durchschifftliche Preis der veganen Gerichte lag in der Reichenbachstraße allerdings sogar 0,17€ unter dem der Mensa Zeltschlösschen und unterlag einer deutlich geringeren Standardabweichung.

Aus den Daten für die Biomensa lässt sich schließen, dass die Preise für die veganen Gerichte um 0,65€ über dem Durchschnitt aller Mensen lagen, bei den omnivoren Gerichten sogar um 0,87€.  Der Anteil omnivorer Gerichte ist jedoch hier mit 43,3% am geringsten und der vegane Anteil mit 35,4% am zweithöchsten im Vergleich zu den anderen Mensen. Die Daten der Alten Mensa sind sehr ähnlich zum Gesamtdurchschnitt.

Die Datenauswertung bringt jedoch auch einige Herausforderungen mit sich. So wurden aus Gründen der Vergleich- und Auswertbarkeit Nachspeisen wie Kuchen, die Beilagen aus der Salattheke als auch die Nudelteller aus der Auswertung entfernt. Auch Gerichte, die mit vegetarischen oder veganen Varianten angeboten werden, konnten nicht berücksichtigt werden. Weiterhin sind die Preise für ausverkaufte Gerichte nicht einsehbar. Aufgrund von der Coronapandemie gilt es zudem zu überlegen, ob die Daten von 2020 als auch von 2021 zum Vergleich sinnvoll sind. Eine Auswertung der Jahre 2018 als auch 2019 bringt in dieser Hinsicht einen deutlich größeren Nutzen, da der Mensabetrieb in diesen Jahren noch uneingeschränkt durchgeführt werden konnte. Neben den prozentualen Verteilungen der angebotenen Gerichte interessieren wir uns auch besonders für die absoluten Zahlen der nachgefragten/verkauften Gerichte, um daraus deren Korrelation abzuleiten. Eine damit verknüpfte weitere Herausforderung stellt auch die Kommunikation zur weiteren Datenakquise dar, da durch die Coronapandemie in der Mensaleitung andere Schwerpunkte gesetzt werden. Nichtsdestotrotz sind wir der Auffassung, dass die Thematik ökologische Nachhaltigkeit im Generellen als auch speziell in unseren Mensen und die Diskussion darüber auch in der aktuell anhaltenden Pandemie entscheidend ist.

Soweit ein erster Einblick in unsere Auswertungen. Eine detailiertere Analyse unter anderem der Entwicklung des Angebots über die vergangenen Jahre und vl. sogar bereits einiger Nachfragedaten, möchten wir in einem weiteren Blogartikel im nächsten Semester vornehmen. Alle bereits erstellten Diagramme und Auswertungen könnt ihr euch außerdem in unserem 🔗 geteilten Cloudstoreordner anschauen.

Projektvisionen

Unser weiteres Vorgehen bezieht sich vor allem auf die Bewältigung der genannten Herausforderungen. Weiterhin möchten wir den Austausch zwischen der AG Mensa und unseren Ansprechpersonen des StuWe weiter vorantreiben und noch enger zusammen zu arbeiten. Mit neuen Ideen und Input von anderen Hochschulen möchten wir die Vision klimafreundlicher Mensen weiter vorantreiben.

Du hast Bock dich am Projekt zu beteiligen und/oder möchtest eigene Ideen einbringen? Dann schreib uns gerne eine Mail an mensa(at)tuuwi.de !