Adios Baracke 😢 – ein Nachruf (Video)

Nach mehr als 70 Jahren wurde die StuRa-Baracke auf dem Campus der TU Dresden Ende Mai und Anfang Juni 2026 abgerissen.

Am 11. Juni waren auch die Fundamente abgebrochen und übrig blieb nur ein Haufen Ziegel.

Vorbei ist es mit dem charakteristischen Knarzen der Dielen, wenn man das Gebäude betrat und auch der ganz spezielle „Duft“ diesen Hauses ist nun ein letztes Mal in unsere Nasen gekrochen.

In den letzten Jahrzehnten war sie unser Zuhause und der tuuwi Garten wurde mit viel Liebe darum herum kultiviert.

Zudem war sie die Heimstätte von Ideen, wie unsere Uni mit Ökostrom zu versorgen oder eine Mensarevolution zu starten. Wir haben Klimacamps und Mitmachfeste geplant, unseren Kohlekubus darin gebaut und ein Baumpatenschaftsprojekt aus der Taufe gehoben. Auch wurden die Umweltringvorlesungen über Jahrzehnte in diesen heiligen Hallen gestaltet.

Aber im Grunde sind das nur wenige Projekte einer schier endlos langen Liste. Und das sicher nicht nur der tuuwi, vor allem auch des StuRa, der STAV, von Integrale und vielen anderen Hochschulgruppen.

Denn was noch viel wichtiger ist: Die Baracke hat Menschen zusammengebracht! Freundschaften gestiftet, die ein Leben halten und zu diversester romantischer Implikation geführt. Wir haben diskutiert, Tränen gelacht, uns verliebt und philosophiert.

Haben die Wände bemalt, Pflanzen für den Garten ausgesät und während einer Messe mit Ausstellern aus dem Rüstungsbereich „Waffeln statt Waffen“ gebacken.

Die Baracke – sie war ein kleines Utopia.

Wenn die Wände der StuRa-Baracke reden könnten, was hätten sie wohl zu erzählen?

Von einer liebevoll dekorierten Brandschutztür, die (entgegen jeglicher Brandschutzlogik) stets offen stand und mit allerlei Memes zum Thema bedacht wurde. Von elektrischen Leitungen, die nach Aussage der langjährigen Angestellten Frau Klaus und Frau Lippmann permanent am Limit seien und man dieses oder jenes elektrische Gerät nicht anschließen dürfe.

Von einer offenen Kommunikationskultur, jeden freien Raum mit Zetteln, Flyern, Plakaten und handschriftlichen Botschaften zu versehen.

Von einem Gemeinschaftszimmer mit Foodsharing, das lange Zeit gemäß seiner Wandfarbe „Grüner Bunker“ hieß – später „Wohnzimmer“ und zum Ende hin „Wohlzimmer“. Dass es dabei um einen wilden Rechtsstreit mit dem gleichnamigen Lokal in der Dresdner Neustadt ging, soll hier nur am Rande erwähnt sein.

Es bleibt zu hoffen, dass das neue Herz des Campus, das sogenannte „Projekthaus Zukunft“, ein ähnlich inspirierender Ort sein wird. Niemals glattgebügelt. Die Menschen dazu anstiften, die Uni zu gestalten und nichts als gegeben hinzunehmen.

Ein Haus zum mutig sein. Eines, dass Menschen kreativ macht. Und eines, dass Menschen zusammenbringt!

Farewell, liebe Baracke, beim Anblick deines Dahinscheidens hat es in unseren Herzen leise – Knack – gemacht. 😢 Aber dein ewiges Dielen-Knarzen wird noch sehr lang einen festen Platz in eben jenen Herzen haben!

 

 

 

Eindrücke aus den letzten Jahren

Unser Garten, das legendäre tuuwi-Grillen, Protestkreuze im fahlen Neon-Licht.

Außerdem sehen Sie noch das sogenannte Wohlzimmer mit einer wohlkuratierten Auswahl feinstem Mobiliars.

Und natürlich der Bau unseres Kohlekubus, wo die Baracke als Ersatzleiter vorzüglichste Dienste erwiesen hat.

Abschließend ein Blick auf Bürotür und die im Notfall lebenswichtige Brandschutztür, sowie Sommerkino und ein Plenum im Garten.

Regiert Geld die Welt? Ein geldfreieres Leben ist möglich!

Frei sein. Frei zu tun und zu lassen was man will, zu gehen wohin man will, wie ein Vogel. Frei von allen Zwängen. Wer möchte das nicht? Doch wie schafft man sich ein freies, selbstbestimmtes Leben, das alle Möglichkeiten bereit hält?
Tobi Rosswog, Initiator des Projekt- und Aktionsnetzwerkes living utopia, hat davon eine genaue Vorstellung. Zwei Jahre lang hat er geldfrei gelebt und gibt sein Wissen und seine Erfahrungen seitdem an Unternehmen, Vereine und alle Interessierten weiter. Am 18. Juni war er als Referent unserer Umweltringvorlesung zu Gast in Dresden und gab den Studierenden eine Einführung zum Thema „Geldfreieres Leben. Wege in ein neues Miteinander“.
Nach Tobias Meinung haben wir alle die Möglichkeit, etwas weniger auf das Zahlungsmittel Geld angewiesen zu sein und dadurch freier zu werden. Dafür müssen wir die Grundgedanken unserer Gesellschaft überdenken. Denn geldfreier zu leben bedeutet beispielsweise auch, nicht mehr nach Stundenlohn arbeiten zu gehen, sondern das Arbeitspensum daran anzupassen, was jede*r Einzelne leisten will und kann.

Referent Tobias Rosswog im Gespräch mit den Teilnehmenden der Umweltringvorlesung

Geld durchzieht unser gesamtes Leben- mit Geld zahlen wir unsere Miete, kaufen wir unsere Lebensmittel und genießen wir Kultur. Ohne Geld keine neuen Kleidungsstücke, keine Fahrt mit dem Bus und kein Internet auf dem Handy. Spätestens seit der Entwicklung des Kapitalismus im Italien des 14. Jahrhunderts ist es zu einem essentiellen Bestandteil der meisten Gesellschaften auf diesem Planeten aufgestiegen, unterwirft uns seinen Zwängen, schenkt uns aber auch Freiheit.
Wer viel Geld besitzt hat ein unbesorgtes Leben und ihr oder ihm steht alles offen, oder? Das ist leider nur eine scheinbare Freiheit. Denn aus dem Privileg des Geldbesitzes wächst Verantwortung. Mit starker Finanzkraft kann in dieser Welt viel bewegt werden- zum Guten und Schlechten. Nur leider kommen die allermeisten wohlhabenden Menschen dieser Forderung nicht nach. Das meiste Geld fließt noch immer in Wirtschaftswachstum und dieses hat oft sehr umweltschädliche Gründe, z.B. Kriege und hohen und unreflektierten Konsum.

Wie extrem sich die Verhältnisse zwischen Besitz und Nicht-Besitz gestalten, demonstriert Tobi an diesem Beispiel: Die acht reichsten Männer der Welt besitzen so viel Geld wie 3,5 Milliarden Menschen. Das entspricht der Hälft der Erdbevölkerung. Die Ursache hierfür und das Hauptproblem des Geldes sieht unser Referent in der im Geld implementierten Tauschlogik: eine Leistung fordert immer eine gleichwertige Gegenleistung. Wer diese nicht erbringen kann, wird vom System ausgeschlossen. Und so verursacht das Geldsystem nicht nur eine ökologische, sondern auch eine soziale Krise.

Eine Empfehlung von Tobias Rosswog für alle, die sich mal aus einem anderen Blickwinkel mit Arbeit auseinandernsetzen wollen: das Buch “After Work. Radikale Ideen für eine Gesellschaft jenseits der Arbeit.”

Einen Ansatz um diese Krisen zu überwinden beschreibt Friederike Habermann in ihrem Buch “Ecommony”. Grundlegend hierfür ist, weniger Eigentum und mehr Besitz zu schaffen. Eigentum bezeichnet die rechtliche Beziehung zu etwas. Besitz hingegen beschreibt die soziale Beziehung. Wenn ich einen Stuhl besitze, kann ich auf ihm sitzen. Gehe ich weg kann jemand anderes kommen, den Stuhl benutzen und ihn so besitzen. Als Eigentümer/in des Stuhls kann man über den Stuhl bestimmen, verbieten darauf zu sitzen oder es nur gegen Gebühr erlauben. Mehr Besitz bedeutet also gemeinsame Güter- Commons, für die niemand bezahlen muss, weil sie allen gehören. Auf diese Weise herrscht mehr soziale Gerechtigkeit durch den gleichwertigen Zugang zu Ressourcen und Konsumgüter müssen seltener hergestellt werden, weil mehre Gruppen sich deren Nutzung teilen. Über sinnvolle Kommunikation können zusätzlich Arrangements geschlossen werden um, wenn nötig, längerfristigen Besitz zu regeln. Also überlegt beim nächsten Mal zweimal, ob ihr euch die Bohrmaschine, die ihr für 3 Löcher im Jahr braucht, wirklich selbst kauft. Sicher teilt auch gern jemand aus der Nachbarschaft die ihre/seine mit euch.

Noch zwei Mal habt ihr die Gelegenheit, euch zu interessanten Themen der Wirtschaftsethik und Wirtschaftsalternativen zu informieren. Wenn ihr Lust habt, schaut hier vorbei:
URV Kapital is muss!? Wirtschaftsethik und -alternativen
Mittwochs, 16:40-18:10 Uhr
POT 112

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Bild und Text: Theresa Zakrzewski